Kayo TT125: im Test

Der perfekte Einstieg ins Offroad-Motorradfahren?

Mit der Kayo TT125 richtet sich der Hersteller gezielt an junge Fahrer und Einsteiger, die erste Erfahrungen im Offroad-Bereich sammeln möchten. Wer ein leicht beherrschbares Motocross-Einstiegsbike für Nachwuchsfahrer sucht, stößt schnell auf die Kayo TT125.

Das Konzept ist klar: viel Offroad-Spaß bei überschaubarer Leistung, robuster Technik und geringem Gewicht. Das Bike richtet sich an Kinder und Jugendliche ab etwa zehn Jahren, die abseits der Straße erste ernsthafte Erfahrungen im Gelände sammeln wollen – fernab von Spielzeugoptik, aber ohne Überforderung.
Doch wie schlägt sich das kompakte Pitbike in der Praxis? Wir haben es unter realen Bedingungen getestet – auf einer nassen, anspruchsvollen Offroad-Strecke.

Erster Eindruck

Klein, leicht – aber überraschend erwachsen
Schon beim ersten Blick wird klar: Die TT125 ist kein Spielzeug. Trotz ihrer kompakten Maße wirkt sie wie ein „echtes“ Motorrad. Verarbeitung, Komponenten und Design orientieren sich klar an größeren Dirtbikes.
Besonders auffällig:
Der Motor klingt deutlich erwachsener, als man es in dieser Klasse erwarten würde. Für junge Fahrer kann das anfangs sogar etwas einschüchternd wirken.

Die Kayo TT125 präsentiert sich im modernem Racing Design

Motor, Getriebe und Schaltung: Lernplattform mit echter Offroad-DNA

Im Zentrum der Kayo TT125 arbeitet ein luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor mit 125 cm³ Hubraum. Mit 5,6 kW bei 8.000 U/min und einem maximalen Drehmoment von 8,5 Nm bei 5.000 U/min liefert der Motor Leistung, die junge Fahrer fordert, aber nicht überfordert. Das bedeutet genügend Punch für lockere Böden, kleine Anstiege und Wellen, ohne unkontrollierte Reaktionen.

Geschmiert wird mit Motoröl der Viskosität SAE 10W-40. Der 5,5-l-Tank erlaubt längere Sessions, die Motorölmenge beträgt 0,8 l. Als Kraftstoff ist Superbenzin SP98 empfohlen; mindestens SP95.

Motor & Leistung
• 119,6 cc Einzylinder-Viertaktmotor
• Leistung: 5,6 kW (7,6 PS)

Schaltung
Klassisch – mit kleiner Umgewöhnung
Geschaltet wird über ein 4-Gang-Getriebe, allerdings mit einer Besonderheit:
 Alle Gänge werden nach oben geschaltet, was zunächst ungewohnt ist. Nach kurzer Eingewöhnung funktioniert das jedoch problemlos.
Für komplette Anfänger kann das Schalten anfangs eine Herausforderung sein – gleichzeitig ist es aber eine perfekte Lernbasis für echtes Motorradfahren.

Die Zündung arbeitet mit CDI-Technik, gestartet wird ganz traditionell per Kickstarter – ein Detail, das Puristen freuen dürfte.

Faszinierendes Detail: Racing-Auspuff am Einsteiger-Dirtbike

Eine Besonderheit ist der Racing-Auspuff, der für freieren Durchsatz und einen charakteristischen Klang sorgt. Die Leistung bleibt mit 5,6 kW kontrollierbar. Die TT125 ist nicht straßenzugelassen und als reines Offroad-Bike konzipiert.

Kayo TT125 mit serienmässigem Racing Auspuff für freien Durchsatz

Fahrwerk und Rahmen: Stabilität statt Showeffekt

Das Chassis setzt auf einen Stahlrohrrahmen, der robust und einfach zu reparieren ist. Für ein Einsteiger-Dirtbike ist das ein passender Ansatz.

Vorne arbeitet eine USD-Gabel mit hydraulischer Dämpfung (Länge 735 mm). Hinten übernimmt ein Zentralfederbein (Länge 360 mm) die Arbeit, montiert an einer Stahlschwinge. Das Federbein ist nicht verstellbar, was für die Zielgruppe unkompliziert ist.

Kayo TT125: Upside-Down-Gabel mit hydraulischer Dämpfung

Mit einem Radstand von 1.220 mm liegt das Bike stabil, bleibt aber wendig in engen Sektionen. Die Sitzhöhe von 855 mm passt zu heranwachsenden Fahrern und bietet Reserven, um mit dem Bike zu wachsen. Die Bodenfreiheit von 290 mm eignet sich für echtes Offroad-Terrain mit Wurzeln, Steinen und Spurrillen.

Kayo TT125: Zentralfederbein mit einer Länge von 360 mm

Bremsen

Sicher und gut dosierbar
An der Kayo TT125 sind hydraulische Scheibenbremsen verbaut: vorne 210 mm, hinten 200 mm. Die hydraulischen Scheibenbremsen liefern eine zuverlässige Bremsleistung und bieten direkte, dosierbare Verzögerung, kontrollierbar auf schlüpfrigem Untergrund. Gerade für junge Fahrer ist das ein wichtiger Sicherheitsfaktor.

Räder und Ergonomie im Offroad-Alltag

Die Räder setzen auf Stahlfelgen: vorne 1,60 x 17, hinten 1,85 x 14. Mit einem Leergewicht von 72 kg ist das Bike handlich. Es ist für eine Person bis etwa 70 kg ausgelegt.
Die schmale Sitzbank ermöglicht sicheren Stand und Bewegungsfreiheit. Der Stahl-Lenker ist robust. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei etwa 80 km/h, ausreichend für Trainingsstrecken.

Fahrerlebnis, Offroad-Performance

Leicht zu bewegen, aber nicht zu unterschätzen
Auf der Strecke zeigt sich schnell, warum die TT125 ein ernstzunehmendes Einsteigerbike ist. Das geringe Gewicht macht sie extrem handlich und kontrollierbar, gerade für junge oder unerfahrene Fahrer.
Gleichzeitig liefert der Motor genug Leistung, um auch erfahrenere Fahrer nicht zu langweilen. Besonders im Gelände macht sich das positiv bemerkbar: Beschleunigung und Durchzug sind absolut ausreichend für dynamisches Fahren.

Die Kayo TT125 überrascht auch im anspruchsvollen Gelände mit einem gutem Handling und bleibt kontrollierbar.

Überraschend stark im Geländeinsatz
Die Testbedingungen waren alles andere als einfach:
Regen hatte die Strecke in eine rutschige, schlammige Herausforderung verwandelt.

Hier konnte die TT125 überzeugen:
Guter Grip dank grobstolliger Bereifung
Hohe Bodenfreiheit verhindert Aufsetzen
Stabiles Fahrverhalten auch auf schwierigem Untergrund

Selbst in matschigen Passagen bleibt das Bike kontrollierbar und vermittelt Sicherheit.

Kayo TT125: Viel Bike für einen mehr als fairen Preis.

Fazit

Ernsthafter Einstieg statt Spielzeug
Die Kayo TT125 ist weit mehr als ein einfaches Kinderbike. Sie bietet einen echten Einstieg in die Welt des Motorradfahrens – inklusive Schaltung, Offroad-Handling und realistischer Fahrdynamik.

Gerade das macht sie so interessant:
Sie fordert den Fahrer, ohne ihn zu überfordern.
Wer bereit ist, sich auf das Fahren einzulassen, bekommt hier ein ehrliches, lehrreiches und vor allem spaßiges MX-Bike zu einem sehr fairen Preis.

Stärken
• Sehr leicht und einfach zu kontrollieren
• Überraschend kräftiger Motor
• Gute Offroad-Eigenschaften
• Robuste und solide Bauweise
• Sehr attraktiver Preis

Schwächen
• Schaltung anfangs ungewohnt
• Kickstarter statt E-Starter
• Für ganz junge Anfänger etwas anspruchsvoll

Am Markt liegt das Modell im unteren Preisbereich: 1.599,00 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Text: Raymon De Kruiff, Ralf Wilke, Heiko Schmidt
Bilder: Andrew Walkinshaw

FAQ

1) Für wen ist die Kayo TT125 geeignet – und woran erkenne ich, ob mein Kind „bereit“ dafür ist?

Die TT125 richtet sich an Kinder und Jugendliche ab etwa zehn Jahren, Einsteiger im Offroad-Bereich, Jugendliche mit ersten Fahrambitionen und Fahrer, die bewusst ein leichtes, einfaches Bike suchen. Mit 855 mm Sitzhöhe sollte der Fahrer das Bike sicher abfangen können. Wer das 72-kg-Bike nicht aufrichten kann, wird frustriert. Bereit ist, wer Grundregeln kennt und Anweisungen umsetzt. Für sehr leichte Kinder kann ein kleineres Modell sinnvoll sein.
Absolute Anfänger ohne Interesse am Schalten oder Fahrer, die direkt maximale Leistung erwarten sollten sich nach einem anderen Modell umsehen.

2) Was ist der größte Lernvorteil am 4-Gang-Schaltgetriebe mit N‑1‑2‑3‑4 – und ist das nicht zu kompliziert für Einsteiger?

Der Vorteil ist, dass es Fahrtechnik vermittelt, die auf größere Bikes übertragbar ist. Anfänger lernen dosiertes Anfahren und Gangwechsel. Die Schaltfolge ist logisch. Es wird mit Übung Routine, wichtig ist ein sicherer Start in leichtem Gelände.

3) Welche Punkte sollte ich vor dem Kauf und in den ersten Wochen beachten (Wartung, Sicherheit, Einsatzbereich)?

Die TT125 ist nicht straßenzugelassen, nur für Privatgelände oder Offroad-Strecken. In den ersten Wochen: Bremsen, Kettenspannung und Schrauben prüfen. Kraftstoff (mind. 95 Oktan) und Öl (SAE 10W‑40) einhalten. Schutzkleidung ist Pflicht. Techniktraining priorisieren für mehr Spaß und weniger Stürze.