Motocross-Motorrad KTM 350 SX-F 2027 in leuchtendem Orange, Seitenansicht auf weißem Hintergrund
Die neue KTM 350 SX-F 2027 mit modernisiertem Chassis und bewährter Offroad-Technik (Foto: ktm.com)

KTM 350 SX-F 2027: Wenn Mittelklasse einfach nicht mittelmäßig ist

Die 350er, die seit Jahren zwischen den Klassen aufräumt

Im Motocross-Lager herrscht seit Jahren eine Art Glaubenskrieg: 250 oder 450 Kubik, Drehzahlmonster oder Drehmomentkeule. Dazwischen steht die KTM 350 SX-F, die für 2027 einmal mehr zeigt, dass der goldene Mittelweg alles andere als Kompromiss bedeutet. Mit 349,7 cm³ Hubraum, moderner Elektronik und einem konsequent rennorientierten Chassis positioniert sie sich als Werkzeug für Fahrer, die nicht nur mit Kraft, sondern auch mit Tempo und Technik gewinnen wollen.

Seitenansicht der KTM 350 SX-F 2027 Motocross-Maschine in Orange.
Die KTM 350 SX-F 2027 überzeugt mit modernem Design, kompaktem Rahmen und innovativer Technik. (Foto: ktm.com)

Die 350 SX-F baut auf mehr als einem Jahrzehnt Modellgeschichte auf. Seit 2011 steht sie im Programm, die aktuelle Generation läuft seit 2023 und wurde mit jeder Evolutionsstufe feiner gespitzt. Das Modell setzt diese Linie fort: längerer, breiter nutzbarer Leistungsbereich, hohe Stabilität bei Speed und dennoch genügend Agilität, um in engen Sektionen Linien zu wechseln, ohne dass der Puls in den roten Bereich geht.

KTM 350 SX-F 2027 Motocross-Motorrad in Seitenansicht, orangefarbene Verkleidung, offroad-bereift
Die neue KTM 350 SX-F 2027: Motocross-Power zwischen 250er und 450er (Foto: ktm.com)

Motorcharakter: Zwischen 250er Drehzahl und 450er Punch

Herzstück ist der kompakte Einzylinder-Viertakter mit 349,7 cm³, Keihin-Einspritzung und 44-mm-Drosselklappe, gekoppelt an ein 5-Gang-Getriebe. Mit einem Motorgewicht von rund 27,5 kg bewegt sich das Triebwerk nahe an 250er-Niveau, liefert aber deutlich vollere Mitten und ein kräftiges Band bis weit in den oberen Drehzahlbereich. Genau diese Kombination macht die 350 SX-F auf tiefen, kraftzehrenden Strecken so interessant für ambitionierte Hobbyracer und Amateur-Crosser.

Dabei hilft die serienmäßige Elektronik spürbar weiter. Über den Lenker-Schalter lassen sich zwei Mappings abrufen: Map 1 sorgt für eine lineare, gut dosierbare Leistungsabgabe, ideal für rutschige Böden oder lange Turns. Map 2 legt den Fokus auf Aggressivität aus der Kurve, mit spontanerem Ansprechverhalten für Starts und Sprints.

KTM 350 SX-F 2027 Motor, Einzylinder-Viertakter, Detailansicht
Der kompakte Einzylinder-Viertaktmotor der KTM 350 SX-F 2027 mit 349,7 cm³ Hubraum und moderner Einspritztechnik. (Foto: ktm.com)

Dazu kommt eine in dieser Klasse mittlerweile unverzichtbare Traktionskontrolle, die je nach Streckenzustand zugeschaltet werden kann. In tiefem Matsch oder auf ausgelutschten Hartboden-Pisten lässt sich der Grip so feiner nutzen, ohne dass ständig am Gas gerissen oder mit der Kupplung jongliert werden muss.

Launch Control und Quickshifter: Die Faszination des perfekten Starts

Eine der faszinierendsten Funktionen der KTM 350 SX-F 2027 ist die Kombination aus Launch Control und Quickshifter – ein Paket, das aus dem Startgatter eine kleine Wissenschaft macht. Die Launch Control wird über gleichzeitiges Drücken von Traktionskontrolle und Quickshifter aktiviert und begrenzt die Kraftabgabe des Motors so, dass das Hinterrad maximal Traktion aufbaut, anstatt durchzudrehen. Gerade auf tief aufgepflügten Startgeraden entscheidet das oft über den Holeshot.

Ist der Start geglückt, übernimmt der Quickshifter von Gang 2 bis 5 den Rest: Hochschalten ohne Kupplung, Gas stehen lassen, Gang rein – die SX-F setzt den Befehl ohne merkliche Zugkraftunterbrechung um. Auf der Strecke bedeutet das entscheidende Meter zwischen zwei Sprüngen oder beim Herausbeschleunigen aus kurzen Anliegern. Dieses System ist nicht nur ein Gimmick, sondern ein echtes Performance-Tool für Fahrer, die jede Zehntel aus einer Runde herausarbeiten wollen.

Chassis und Ergonomie: Ruhe ins Fahrwerk, Freiheit für den Fahrer

Die 350 SX-F setzt auf einen Doppelschleifen-Zentralrohrrahmen aus 25CrMo4-Stahl, ergänzt durch einen Polyamid-Heckrahmen mit Aluminium-Verstärkung. KTM hat die Rahmenkonstruktion überarbeitet: Im Bereich der oberen Stoßdämpferaufnahme und an den Motoraufnahmen wurde mit Aussparungen und geänderter Wandstärke gearbeitet, um im Mittelbereich etwas mehr Flex zuzulassen, ohne die Stabilität bei Highspeed zu opfern. Vorn sorgt eine optimierte Wandstärke im Frontbereich des Rahmens und überarbeitete Motoraufnahmen für präzisere Rückmeldung beim Einlenken.

Stahlrohrrahmen mit Aluminium-Heckrahmen der KTM 350 SX-F
Rahmenkonstruktion der aktuellen KTM 350 SX-F, Modelljahr 2027 (Foto: ktm.com)

Bemerkenswert ist auch die Motorlage: Der Einzylinder ist um cirka 2° nach hinten geneigt. Das bringt Masse näher zum Schwerpunkt und reduziert das Einfedern des Hecks beim Beschleunigen (Anti-Squat-Effekt). Das Motorrad bleibt beim Herausbeschleunigen ruhiger, die Traktion lässt sich besser dosieren und das Vorderrad steigt kontrollierter.

Ergonomisch orientiert sich die 350 SX-F klar an sportlich-einsitzenden Piloten. Eine Sitzhöhe von 958 mm und 343 mm Bodenfreiheit zeigen, dass hier kompromisslose Offroad-Freiheit angesagt ist. Die schlanke Tankform (rund 7,2 l Fassungsvermögen) zwingt den Fahrer nicht in eine Position, sondern lässt viel Bewegungsfreiheit beim Umsetzen, beim Anbremsen von Wellenfeldern oder beim sauberen Anlegen in tiefen Spurrillen.

Kühler, Shrouds und Details: Kleine Dinge mit großer Wirkung

Bi-Compound-Kunststoffteile an den Kühlerverkleidungen führen den Luftstrom effizient zu den Kühlern und dienen gleichzeitig als Kontaktfläche für Stiefel und Knie. Die kompakte Tankform und die schmal gehaltenen Shrouds reduzieren die Gefahr, mit dem Rahmen oder Anbauteilen hängen zu bleiben – besonders in engen Kehren oder tiefen Spuren ein praktischer Sicherheitsfaktor.

Fahrwerk: WP XACT mit Werkzeugfreiheit als Alltagserleichterung

Vorn arbeitet eine 48-mm-WP-XACT-Luftgabel mit gekapselter Luftfeder und druckbeaufschlagter Ölkammer. Das System ist auf progressives, konstantes Dämpfungsverhalten ausgelegt, mit Öl-/Luft-Bypässen, die Druckspitzen herausfiltern. So bleibt das Vorderrad auf brutalen Bremswellen kontrollierbar, ohne beim Einfedern hart anzuschlagen. Die Mid-Valve-Technik liefert zudem saubere Rückmeldung, was schnelle Linienkorrekturen auf ausgefahrenen Strecken erleichtert.

WP XACT 48-mm-Luftgabel, wie sie in der KTM 350 SX-F 2027 verbaut ist
Moderne WP XACT-Luftgabel mit Druckbeaufschlagung, wie sie in der KTM 350 SX-F 2027 verwendet wird. (Foto: ktm.com)

Hinten arbeitet ein WP-XACT-Federbein mit Umlenkung, dessen Geometrie überarbeitet wurde. Mehr Bodenfreiheit an der Umlenkung reduziert das Risiko, in tiefen Spurrillen oder über Kanten aufzusetzen. Gleichzeitig sorgen leichtere Umlenkbolzen und optimierte Dichtungen für feinfühligeres Ansprechverhalten. Praktisch für den Alltag auf der Strecke: Sowohl vorn als auch hinten lassen sich die wichtigsten Parameter werkzeuglos über Klicker an Gabel und Dämpfer einstellen, inklusive High- und Low-Speed-Druckstufe am Federbein.

WP XACT-Hinterradfederbein der KTM 350 SX-F 2027 vor schwarzem Hintergrund
Das moderne WP XACT-Federbein mit Werkzeugfreiheit für optimales Motocross-Setup. (Foto: ktm.com)

Bremsen, Reifen und Handling im Detail

Für die Verzögerung sorgen hydraulische Scheibenbremsen vorn und hinten, kombiniert mit einer steiferen hinteren Bremshebelkonstruktion, die sich weniger verwindet und dadurch einen klareren Druckpunkt vermittelt. Vorn tragen eine geschmiedete Lenkkopfverbindung und CNC-gefräste Gabelbrücken zur Steifigkeit des Vorderbaus bei. Das macht sich beim Anbremsen von Sprüngen und schnellen Anliegern direkt bemerkbar: mehr Präzision, weniger Unruhe.

Nahaufnahme des Hinterrades mit Federung, Kette und Auspuff einer KTM 350 SX-F 2027
Detailansicht von Hinterrad, Auspuff und Schwinge der KTM 350 SX-F 2027 (Foto: ktm.com)

Ab Werk rollt die KTM 350 SX-F 2027 auf Dunlop Geomax MX34. Die steife Karkasse und die spezielle Gummimischung versprechen nicht nur mehr Grip, sondern auch eine längere konstante Performance über mehrere Trainings oder Rennwochenenden. Die Blockgestaltung ist auf progressive Schräglagen-Traktion ausgelegt, ohne das Einlenkverhalten zu verschleifen – ein Setup, das besonders auf wechselnden Untergründen Vorteile bringt.

Praxis und Technik: Wartungsfreundlichkeit und digitale Optionen

Im Offroad-Alltag zählt nicht nur Performance, sondern auch, wie schnell sich ein Motorrad zwischen den Turns vorbereiten lässt. Hier punktet die 350 SX-F mit einem durchdachten Airbox-Design: Der Twin-Air-Filter lässt sich werkzeuglos über die linke Seitenverkleidung entnehmen, die Filteraufnahme ist als fehlersichere Konstruktion ausgelegt. Eine belüftete Airbox-Abdeckung liegt bei, um auf trockenen, griffigen Strecken das letzte Quäntchen Frischluft herauszuholen.

Nahaufnahme des Twin Air Luftfilters im Seitendeckel einer KTM 350 SX-F 2027
Werkzeugloser Zugang zum Luftfilter bei der KTM 350 SX-F 2027 (Foto: ktm.com)

Generell ist die Maschine auf gute Zugänglichkeit der Servicepunkte ausgelegt, um Wartung und Setup-Anpassungen zu erleichtern – ein nicht zu unterschätzender Vorteil für Fahrer, die ohne großes Team unterwegs sind. Ergänzend bietet KTM eine optionale Connectivity Unit Offroad an, die zusammen mit der App Fahrdaten aufzeichnet, Motormapping und Traktionskontrolle abstimmbar macht und Setup-Empfehlungen fürs Fahrwerk liefert. So lässt sich das Motorrad noch genauer auf Fahrstil und Strecke zuschneiden.

KTM 350 SX-F 2027 im Einsatz auf einer Motocross-Strecke bei dynamischer Kurvenfahrt
KTM 350 SX-F 2027

Mit einem Gewicht (ohne Kraftstoff) von 102,4 kg und dem kompakten 7,2-l-Tank richtet sich die KTM 350 SX-F 2027 klar an sportorientierte Motocrosser und ambitionierte Hobbyracer, die eine wendige, aber dennoch kräftige Alternative zu den klassischen Hubraumlagern suchen. Für diese Zielgruppe bietet sie eine Mischung aus Leistung, Kontrolle und moderner Technik.

Der Listenpreis der KTM 350 SX-F 2027 liegt bei 10.999,00 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer, zuzüglich 495,00 Euro für Überführungs- und Nebenkosten.

Bilder: Hersteller

FAQ

1) Für wen ist die KTM 350 SX-F 2027 die bessere Wahl: 250 oder 450?

Die 350 SX-F 2027 richtet sich an Fahrer, die sich zwischen den Extremen nicht entscheiden wollen: Sie fühlt sich drehfreudig und leicht an wie eine 250er, liefert aber spürbar mehr Drehmoment und tragfähige Leistung aus der Mitte heraus – ähnlich einer „kleinen 450“. Das hilft besonders auf tiefen, kräftezehrenden Strecken oder in langen Motos, wenn sauberes Fahren wichtiger wird als reines „Festhalten“. Wer technisch fährt, viel mit Linien arbeitet und trotzdem Druck aus Kurven braucht, findet hier oft den besten Kompromiss ohne echte Nachteile.

2) Was bringen Launch Control, Quickshifter und Traktionskontrolle in der Praxis wirklich?

Die Elektronik ist hier nicht Show, sondern Rundenzeit-Werkzeug. Die Launch Control zielt auf reproduzierbare Starts ab: weniger Durchdrehen, mehr Vortrieb, bessere Chancen auf den Holeshot – vor allem auf aufgewühlten Startgeraden. Der Quickshifter (Gang 2 bis 5) spart Zeit und Konzentration, weil du beim Hochschalten die Kupplung nicht brauchst und die Zugkraft kaum abreißt; das kann zwischen Sprungkombinationen oder kurzen Anliegern entscheidende Meter bringen. Die Traktionskontrolle hilft, Grip auf Matsch oder Hartboden konstanter zu nutzen und reduziert Fehler, wenn der Untergrund „wegbricht“.

3) Wie alltagstauglich ist die 350 SX-F 2027 für Hobbyracer ohne großes Team?

Für ambitionierte Hobbyfahrer ist sie vor allem deshalb interessant, weil Setup und Wartung mitgedacht sind. Das Fahrwerk bietet werkzeuglose Einsteller an Gabel und Federbein, sodass du zwischen Turns schnell auf Strecke, Tempo und Ermüdung reagieren kannst, ohne erst lange zu schrauben. Dazu kommt die wartungsfreundliche Airbox: Der Luftfilter lässt sich werkzeuglos entnehmen, und die Konstruktion ist auf sichere, schnelle Montage ausgelegt – genau das zählt nach staubigen Trainings. Optional kann die Connectivity Unit Offroad mit App beim Feintuning helfen, indem Daten und Einstellungen systematischer ausgewertet werden.