CFMOTO 450 MT Test: Günstiger Einstieg in die Adventure-Welt

Mit der CFMOTO 450 MT greifen die Chinesen selbstbewusst nach einem der spannendsten Segmente der Motorradwelt: der leichten Adventure-Klasse, die auch für A2-Fahrer passt. 21-Zoll-Vorderrad, Speichenfelgen, ein einstellbares Fahrwerk und moderne Elektronik zu einem Preis, der deutlich unter vielen Wettbewerbern liegt – das klingt nach Kampfansage.


Der Anspruch: Viel Motorrad fürs Geld: Auf dem Papier liefert die 450 MT genau das, was sich viele Einsteiger und Wiedereinsteiger wünschen. Ein 449-Kubik-Parallel-Twin mit 42 PS sorgt für Führerschein-A2-Konformität, das Fahrwerk stammt von KYB und ist einstellbar. Dazu kommen Bosch-ABS, abschaltbare Traktionskontrolle, TFT-Display und LED-Technik. Rein optisch orientiert sich das Bike klar an großen Reiseenduros – inklusive hoher Scheibe und robuster Linienführung.
Die Ausstattung fällt – gemessen am Preis – recht üppig aus. Wo andere Hersteller Aufpreise verlangen oder abgespeckte Basismodelle anbieten, wirkt die CFMOTO erstaunlich komplett. Genau hier liegt einer der größten Pluspunkte, den nahezu alle Tester hervorheben: das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Motor: Charakter statt Spitzenleistung

Eine quirlige und handliche Enduro kann dieses Adventure-Bike auch sein.

Der Zweizylinder zeigt sich quick-lebendig, aber nicht überambitioniert. Seine 42 PS wirken im unteren und mittleren Drehzahlbereich angenehm nutzbar, was besonders auf Landstraßen und im Gelände Vorteile bringt. Die Leistungsentfaltung verläuft linear und bleibt gut kontrollierbar. Der Motorlauf ist als kultiviert gut charakterisiert. Allerdings wirkt das Ansprechverhalten in sehr niedrigen Geschwindigkeiten oder im engen Kurvengeläuf etwas zu direkt. Das ist kein gravierender Mangel, aber spürbar – und ein Detail, das zeigt, dass der Feinschliff im Motormanagement noch Potenzial hätte. Auf der Autobahn bleibt die 450 MT auf dem Niveau ihrer Klasse. Reisegeschwindigkeiten um die 120 bis 130 km/h sind problemlos möglich, darüber wird es zäh. Wer regelmäßig lange Hochgeschwindigkeitsetappen plant, wird an die physikalischen und leistungsbedingten Grenzen des Motorrads stoßen. Für typische A2-Touren reicht das Leistungsniveau jedoch vollkommen aus.

Fahrwerk und Handling: Überraschend erwachsen

Fahrspaß auf dem TET: In der Hand eines Offroaders entfaltet das Motorrad Potential.

Besonders positiv fällt das Handling der450er MT auf. Die Kombination aus 21-Zoll-Vorderrad und vergleichsweise niedrigem Gewicht verleiht der Enduro eine angenehme Leichtigkeit. Auf kurvigen Landstraßen lenkt sie willig ein und vermittelt schnell Vertrauen. Das Motorrad fühlt sich zugänglich an – ein Aspekt, der gerade für weniger erfahrene Fahrer wichtig ist. Das KYB-Fahrwerk bietet Einstellmöglichkeiten, was in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich ist. Es fällt serienmäßig eher straff aus, ab Werk wirkt die Federung härter, als es der Komfortanspruch einer Reiseenduro wäre. Mit Anpassungen lässt sich das Setup spürbar verbessern. Das Gesagte gilt vor allem auf Asphalt.

Auf Abwegen lässt es sich gut trailen. Die Gasannahme könnte feinfühliger sein.


Im Gelände dagegen sammelt die 450 MT Sympathiepunkte. Dank der großen Räder, der ordentlichen Bodenfreiheit und der gut dosierbaren Leistung kommt sie auf Schotter und leichten Trails erstaunlich souverän zurecht. Sie ist kein Hard-Enduro-Gerät, vermittelt aber genügend Reserven für Abenteuer abseits befestigter Straßen. Die Zusammenarbeit mit Bosch bei ABS und Traktionskontrolle zeigt Wirkung. Die Systeme arbeiten zuverlässig und sind klar auf Sicherheit ausgelegt. Besonders wichtig für Offroad-Fans: Das ABS lässt sich entsprechend konfigurieren beziehungsweise deaktivieren, sodass im Gelände mehr Kontrolle möglich ist.
Die Verzögerung der Scheibenbremsen ist ausreichend, doch das Feedback am Hebel ist nicht immer feinfühlig. Im Alltag stellt das kein ernsthaftes Problem dar, im direkten Vergleich mit teureren Konkurrenten merkt man jedoch, dass hier noch Luft nach oben besteht.

Volle Hütte bei der Ausstattung.

Die 450er im Marktsegment

Gerade Einsteiger schätzen die Kombination aus aufrechter Sitzposition, gutem Überblick und moderater Leistung. Die Gasannahme erfordert etwas Gewöhnung und die serienmäßigen Reifen werden von manchen Besitzern früh gegen griffigere Alternativen getauscht. Zur Langzeitzuverlässigkeit gibt es naturgemäß noch keine jahrzehntelangen Erfahrungswerte, doch größere systematische Probleme sind bislang nicht bekannt geworden. Im Segment der leichten Adventure-Bikes konkurriert die CFMOTO mit etablierten Namen. Ihr größter Trumpf bleibt der Preis in Kombination mit einer erstaunlich vollständigen Ausstattung. Sie ist kein High-End-Produkt und will es auch nicht sein. Stattdessen positioniert sie sich als zugängliches, vielseitiges Motorrad für Fahrer, die Abenteuerluft schnuppern möchten, ohne ein Vermögen zu investieren. Die 450 MT ist kein perfektes Motorrad, aber ein bemerkenswert reifes Gesamtpaket. Es ist auch wirklich bemerkenswert, wie gut sie auch für Enduro-Wanderungen taugt. Im Feld der gängigen, leichten Mopeds, fährt man auf der CFMOTO während solcher Veranstaltungen locker mit. Wir testeten das Motorrad auf einem Abschnitt des TET – Trans European Trails – in den Niederlanden. Aus unserer Sicht eigentlich die Paradedisziplin der MT.

Fazit

Die CFMOTO 450 MT beweist im Test, dass ein günstiges Adventure Bike nicht automatisch Verzicht bedeuten muss. Im hart umkämpften Segment der A2-Motorräder positioniert sich die 450 MT als ernstzunehmende Alternative zu etablierten Marken – mit moderner Technik, Offroad-Tauglichkeit und einem besonders attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer ein leichtes Adventure Bike für A2 sucht, das sowohl auf der Landstraße als auch auf Schotter funktioniert und dabei ein modernes Erscheinungsbild bietet, sollte die CFMOTO 450 MT unbedingt mal ausprobieren. Sie ist kein High-End-Reisemotorrad, aber ein überraschend reifes und vielseitiges Motorrad.

Technische Daten

Hier geht’s zur Vorstellung der CFMOTO 450 MT

Text: Ralf Wilke
Fotos: Ralf Wilke, CFMOTO