Wenn ein Einzylinder plötzlich quer will

RSD KTM 690 Tracker Flat-Tracker-Umbau auf sandigem Ovalkurs
Flat-Tracker-Umbau der KTM 690 von RSD im Test auf losem Untergrund (Foto: rolandsands.com)

Die RSD KTM 690 Tracker ist kein Umbau, der still in der Ecke steht und nur über schöne Details wirken möchte. Dieses Motorrad wurde als Flat Tracker aufgebaut, also für genau jene Disziplin, in der Kontrolle, Traktion und Mut auf losem Untergrund eine ganz eigene Verbindung eingehen. Gerade deshalb ist diese 690 so spannend: Sie basiert auf einer Plattform, die als straßentauglicher Einzylinder längst einen festen Platz hat, übersetzt deren Charakter aber in eine deutlich rauere, spielerischere Richtung. Entstanden ist so ein Motorrad, das traditionelle Dirt-Track-Linien aufnimmt und ihnen eine Portion Motocross-Attitüde mitgibt. Das Ergebnis wirkt nicht geschniegelt, sondern fokussiert – leicht, bissig und voller Bewegungsdrang.

Historisch passt der Umbau in eine interessante Phase der 690er-Baureihe. Die KTM 690 Duke kam 2008 auf den Markt, die Bezeichnung Duke selbst reicht bis 1994 zurück. Damit steht die Maschine an einer Schnittstelle: moderne 690-Technik auf der einen Seite, klassischer Flat-Track-Geist auf der anderen. Für Enduro- und Motocross-Fans ist genau diese Mischung reizvoll, weil sie nicht nur nach Stil aussieht, sondern nach echter Fahrdynamik.

Detailansicht des Motors und Rahmens einer RSD KTM 690 Tracker Flat Tracker-Umbau.
Motor und Rahmenkonstruktion der RSD KTM 690 Tracker im Fokus – technisch und hochwertig umgesetzt. (Foto: rolandsands.com)

Ein Streetbike mit Dreck unter den Fingernägeln

Besonders stark ist an dieser Maschine der Widerspruch, den sie bewusst auslebt. Die Basis wird als straßentauglicher Einzylinder beschrieben, mit genug Drehmoment, um schon beim Gasgeben ein Grinsen auszulösen. Gleichzeitig bleibt sie gut beherrschbar und vermittelt Vertrauen, wenn es Richtung Grenzbereich geht. Genau das ist für einen Tracker entscheidend. Denn wer quer fahren will, braucht kein nervöses Motorrad, sondern eines, das Rückmeldung gibt und Fehler nicht sofort bestraft.

Interessant ist dabei auch die Einordnung der Basis. Diese Version der 690 wird als Straßenmotorrad verstanden, trägt aber bildlich gesprochen reichlich Schmutz unter den Nägeln. Das passt zu ihrem Wesen. Denn Tracker faszinieren gerade dann, wenn sie nicht geschniegelt wirken, sondern wie ein Sportgerät, das jederzeit auf einen Ovalkurs rollen könnte. Zum Abschluss des Projekts wurde die Maschine auf dem Perris Raceway in Perris, Kalifornien, unter realen Bedingungen getestet.

Querfahren statt posieren

Dort half Race-Tech-Mann Jimmy Wood dabei, die Federung der KTM 690 abzustimmen. Danach bewegte sich das Motorrad mit der nötigen Sicherheit über den Kurs. Begleitet wurde der Termin von erfahrenen Flat-Track-Piloten wie Mikey Rush und Kayl Kolkma, dazu kam Aaron Colton von KTM. Schon diese Namen machen klar: Hier ging es nicht bloß um ein Fotoshooting, sondern um einen Belastungstest für ein Motorrad, das zum Sliden gebaut wurde.

Der Reiz steckt tief im Fahrwerk und in der Form

Die vielleicht faszinierendste Eigenschaft dieser RSD KTM 690 Tracker ist die Art, wie ihr Aufbau den Charakter des Motorrads verändert. Der Serienrahmen diente als Ausgangspunkt für eine neue, leichte Schwinge und einen ebenso neu konstruierten Heckrahmen aus Airfoil-Rohren. Schon dieser Schritt zeigt, dass hier nicht nur Anbauteile gewechselt wurden. Der Umbau greift tief in die Struktur ein und richtet das Motorrad konsequent auf den Tracker-Gedanken aus.

Dazu kommt die gesamte Blechgestaltung aus handgeformtem Aluminium. Solche Karosseriearbeiten machen den Unterschied zwischen einem netten Umbau und einem Motorrad mit eigener Handschrift. Die Linien orientieren sich an klassischen Dirt-Track-Maschinen, lassen aber bewusst Motocross-Einflüsse einfließen. Genau das gibt der KTM ihre besondere Spannung. Sie wirkt nicht nostalgisch, sondern wie eine moderne Interpretation eines sehr analogen Sports.

Detailansicht vom Motor und Rahmen der RSD KTM 690 Tracker mit sichtbarem Auspuff und Fahrwerkskomponenten.
Der überarbeitete Motor der RSD KTM 690 Tracker zeigt technische Raffinesse und hochwertige Umbauten. (Foto: rolandsands.com)

Warum das Heck so wichtig ist

Schwinge und Heckrahmen sind bei diesem Motorrad mehr als Designobjekte. Sie bestimmen mit, wie kompakt, leicht und aktiv die 690 auftritt. Gerade im Flat Track ist ein Motorrad gefragt, das sich sauber umsetzen lässt, Lastwechsel nicht verschleppt und dem Fahrer erlaubt, es über Gas und Körperhaltung zu dirigieren. Genau deshalb ist dieser Bereich der Umbauten der eigentliche Kern der Maschine.

Starke Komponenten für harte Einsätze

Auch bei den Anbauteilen bleibt die Tracker-Linie konsequent. Verbaut sind Contrast Ops Del Mar Räder in Leichtbau-Ausführung, bestückt mit Goodyear-Flat-Track-Reifen. Gebremst wird vorne wie hinten mit PM-Bremsen. Dazu kommt eine Einzelanfertigung bei der Auspuffanlage, abgeschlossen mit einem RSD-Slant-Endstück.

Detailfoto der Hinterradbremse, Kette und Leichtbaurad der RSD KTM 690 Tracker
Leichtbaurad, Bremsscheibe und Schwinge der KTM 690 Tracker im Detail (Foto: rolandsands.com)

Im Detail wird die Qualität noch deutlicher. Ein von Race Tech gekürzter Stoßdämpfer-Ausgleichsbehälter, Titan-Fußrasten von Raptor, ein Bremshebeltrittstück aus Billet-Aluminium sowie ein Schalthebel-Tip von Hammerhead Designs zeigen, wie das Projekt umgesetzt wurde. Für die Oberflächenbearbeitung mit Politur und schwarzer Eloxierung war Sport Chrome zuständig, die Sitzbank stammt von der Bitchin Seat Company. Solche Bausteine schaffen Robustheit, Ergonomie und Präzision.

Mehr als nur schön gebaut

Technisch bleibt die 690-Basis interessant. Sie wird hier jedoch vor allem als kräftiger, straßentauglicher Einzylinder mit viel Drehmoment und gut beherrschbarem Charakter beschrieben; konkrete Leistungs-, Gewichts-, Sitzhöhen- oder Tankdaten nennt die Quelle zu diesem Umbau nicht. Für einen Tracker-Umbau ist das dennoch eine starke Grundlage, weil Leistung, Gewicht und direkter Motorcharakter gut zu einem Motorrad passen, das auf losem Untergrund in Bewegung bleiben will.

Ein Kunde bekommt sie – der Dreck wohl nicht mehr

Am Ende erhält diese RSD KTM 690 Tracker noch eine fast melancholische Note. Nach dem Test war klar, dass sie funktioniert, und danach sollte sie an einen Kunden ausgeliefert werden. Zugleich stand im Raum, dass dieses Motorrad vermutlich nie wieder Schmutz sehen wird. Gerade das verleiht der Maschine eine gewisse Tragik. Denn alles an ihr deutet darauf hin, dass sie gebaut wurde, um quer durch lose Bögen zu gehen, Staub aufzuwirbeln und auf dem Oval ihr wahres Gesicht zu zeigen.

Detailbild des handgefertigten Tankdeckels aus Aluminium an der RSD KTM 690 Tracker.
Hochwertig verarbeiteter Aluminium-Tankdeckel mit sichtbaren Schrauben der KTM 690 Tracker von RSD. (Foto: rolandsands.com)

Vielleicht liegt genau darin ihr Reiz. Diese KTM ist kein klassisches Enduro-Motorrad und auch keine Motocross-Maschine im engen Sinn. Aber sie trägt die gleiche DNA in sich: Leichtigkeit, Direktheit, Mut zur Bewegung und den Willen, den Untergrund arbeiten zu lassen. Ein Preis wird für dieses Motorrad nicht genannt.

Bilder: Hersteller

FAQ

Warum eignet sich die KTM 690 überhaupt als Basis für einen Flat-Tracker-Umbau?

Die KTM 690 bringt genau jene Eigenschaften mit, die für einen glaubwürdigen Tracker wichtig sind: ein kräftiger Einzylindermotor, geringes Gewicht, direkte Gasannahme und ein sehr lebendiger Charakter. Im Gegensatz zu schwereren Straßenmotorrädern liefert sie ein unmittelbares Fahrgefühl, das sich gut auf losem Untergrund nutzen lässt. Gleichzeitig bleibt die Plattform kontrollierbar genug, um Slides nicht nur spektakulär aussehen zu lassen, sondern auch fahrbar zu machen.

Was unterscheidet diesen Umbau von einem reinen Showbike?

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass bei dieser RSD KTM 690 Tracker nicht nur die Optik verändert wurde. Neue Schwinge, eigener Heckrahmen, handgeformte Aluminiumteile, angepasste Federung und gezielt ausgewählte Komponenten zeigen, dass das Motorrad auf Funktion hin entwickelt wurde. Auch der Praxistest auf dem Perris Raceway unterstreicht das deutlich.

Warum wirkt das Ende der Geschichte fast etwas traurig?

Gerade weil die Maschine so konsequent auf Bewegung, Staub und Querfahrt ausgelegt wurde, entsteht ein Widerspruch, sobald sie nach erfolgreichem Test an einen Kunden ausgeliefert wird und möglicherweise nie wieder Schmutz sieht. Das macht den Reiz, aber auch die Melancholie dieses Projekts aus. Wenn ein solches Bike am Ende eher gesammelt als gefahren wird, geht ein Teil seiner Bestimmung verloren.