Es gibt Motorräder, die schon serienmäßig Abenteuer versprechen. Und es gibt Umbauten, die aus diesem Versprechen einen sehr konkreten Auftrag machen. Genau so ein Fall ist die Redondo PD Africa Twin. Auf Basis der Honda CRF1000L entstanden 2017 zwei Polizeimotorräder, die nicht für die Show gebaut wurden, sondern für harte Einsätze zwischen Asphalt, Bordsteinkante, Sand und Schotter. Die Aufgabe war klar umrissen: Zwei Africa Twin sollten so aufgebaut werden, dass sie den Alltag einer Polizeistreife nicht nur aushalten, sondern in kritischen Situationen spürbar besser funktionieren.
Gerade das macht dieses Projekt für Enduro- und Adventure-Fans interessant. Hier wurde nicht dekoriert, sondern konsequent priorisiert. Handling, Schutz und Kontrolle standen im Mittelpunkt. Die Maschine sollte schnell um Ecken gehen, Hindernisse schlucken, über Kanten springen und den Fahrer dabei möglichst gut abschirmen. Gleichzeitig kamen zusätzliche Polizeikomponenten an Bord, darunter Kameratechnik, Beleuchtung, Funksysteme und eine abschließbare AR-15-Halterung. Jedes zusätzliche Ausrüstungsteil verändert das Motorrad, vor allem Fahrwerk und Balance.

Gebaut für den Moment, in dem alles zählt
Im Polizeidienst auf zwei Rädern geht es nicht nur um Tempo. Entscheidend ist die Fähigkeit, auf unberechenbare Situationen blitzschnell zu reagieren. Schlaglöcher, loser Untergrund, plötzliche Wechsel von Erde zu Kies, von Sand zu Asphalt oder unerwartete Hindernisse gehören zu jenen Szenarien, in denen ein Motorrad entweder hilft oder überfordert. Bei dieser Africa Twin lag der Fokus deshalb auf der Frage: Wie bleibt ein schwerer, zusätzlich ausgerüsteter Einsatztourer auch dann beherrschbar, wenn die Lage chaotisch wird?
Mehr als nur ein Umbau
Die Antwort begann beim Fahrwerk. Verbaut wurde eine Ohlins-FFHO-101-Gabel, die gegenüber der Serie mit mehr Federweg, höherwertigen Komponenten und längeren Einsatzzeiten unter Last beschrieben wird. Hinten arbeitete ein STX-46-Federbein mit Piggyback-Ausgleichsbehälter. Diese Kombination ist der technische Kern des Projekts. Sie soll die Africa Twin fit machen für Verfolgungsfahrten, bei denen Bodenwellen, harte Kanten und Lastwechsel nicht die Ausnahme sind, sondern der Normalfall.

Das Fahrwerk ist der wahre Held dieser Maschine
Die auffälligste Eigenschaft dieser Redondo PD Africa Twin ist das Zusammenspiel aus Fahrwerk, Rad-/Reifenkombination und Zusatzlast. Die Wahl fiel auf Dunlop-D908-Rally-Raid-Reifen. Montiert wurden sie auf einem Dubya-built-Excel-/Talon-Radsatz im Format 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten. Diese klassische 21/18-Kombination begünstigt Traktion, Überrollverhalten und Richtungsstabilität auf losem Untergrund, ohne den Straßeneinsatz völlig aus den Augen zu verlieren.
Gerade bei einer Polizeimaschine mit zusätzlichem Gewicht durch Ausrüstung und Schutzkomponenten ist das mehr als ein Detail. Es ist die Voraussetzung dafür, dass das Motorrad unter Stress präzise bleibt. Wer auf Schotter in eine Ausweichlinie muss oder auf Asphalt aus einer engen Kurve heraus beschleunigt, spürt sofort, ob ein Setup ehrlich arbeitet. Alles an dieser Africa Twin folgt der Logik des Einsatzes.
Kontrolle schlägt Komfort? Hier nicht
Ergonomie wurde ebenfalls berücksichtigt. Stundenlanges Fahren geht in Rücken, Arme und Konzentration. Müdigkeit verschlechtert Entscheidungen und Reaktionen, und im Einsatz ist das ein Sicherheitsrisiko. Deshalb bekam das Bike Pro-Taper-Adventure-Lenker, individuell angepasste Bedienpositionen sowie Cycra-Pro-Bend-CRM-Ultra-Handprotektoren. Dazu kam ein modifizierter Saddlemen-Sitzbezug mit Gel-Einsatz.

Schutz, Ausrüstung und ein klarer Zweck
Auch bei den Schutzmaßnahmen blieb der Umbau kompromisslos. Verbaut wurden ALTRIDER-Sturzbügel, ein spezieller Aluminium-Motorschutz, Gabelschützer, ein hoch montierter Cycra-SuperMoto-Vorderradkotflügel, ein Scheinwerferschutz, ein Schutz für den Bremsflüssigkeitsbehälter, individuelle Gepäckträger und Pivot-Pegs-Fußrasten. Diese Teile sollen maximale Kontrolle während der Verfolgung sichern und gleichzeitig die empfindlichen Bereiche des Motorrads bewahren.
Hinzu kommt die komplette Polizeitechnik. Ein speziell angefertigter Kabelbaum von HBH, Front-Halterungen für Lautsprecheranlage sowie Laser-/Radar-Technik, ein LED-Polizeilichtsystem, eine PA-Anlage, ein drahtloses Push-to-Talk-Funksystem und eine Kameralösung machen klar, dass diese Africa Twin in eine moderne Einsatzstruktur eingebunden wurde. Besonders bemerkenswert sind die individuell angepassten, abschließbaren Softbags mit Schutzplatten der Schutzklasse IV, eine ausziehbare Kevlar-Schutzdecke und ein Trauma-Kit.
Leichter atmen, sauber arbeiten
Die Performance-Upgrades fallen dagegen zurückhaltend aus. Ein K&N-Luftfilter und ein Yoshimura-Slip-on-Endschalldämpfer sollen dem Zweizylinder das Atmen erleichtern. Die Basis dafür ist der aus der ersten modernen Africa-Twin-Generation bekannte Parallel-Twin mit 998 cm³.

Eine Africa Twin mit echtem Einsatzprofil
Die Redondo PD Africa Twin übersetzt die bekannten Stärken der CRF1000L in ein Einsatzprofil: lange Federwege, robuste Radgrößen, sinnvolle Ergonomie, funktionaler Schutz und Ausrüstung, die ihren Zweck erfüllt. Für Fans von Reiseenduros und schweren Offroad-Twins zeigt sie, wie breit das Einsatzspektrum einer Africa Twin sein kann.

Statt bloßer Optik liefert dieses Motorrad Substanz. Es zeigt, wie sinnvoll eine große Enduro werden kann, wenn jedes Bauteil einem klaren Ziel dient. Ein Preis ist für dieses Motorrad nicht genannt.
Bilder: Hersteller
FAQ
Warum eignet sich die Honda Africa Twin überhaupt als Basis für ein Polizeimotorrad?
Die Africa Twin bringt schon ab Werk viele Eigenschaften mit, die im Polizeieinsatz wertvoll sind. Sie kombiniert eine robuste Reiseenduro-Basis mit langen Federwegen, guter Ergonomie und Alltagstauglichkeit auf sehr unterschiedlichen Untergründen. Die Maschine bietet genug Reserven für zusätzliche Ausrüstung.
Welche Umbauten sind bei der Redondo PD Africa Twin am wichtigsten?
Am wichtigsten ist das Fahrwerk, weil es das Verhalten des Motorrads unter Last und in schwierigen Situationen direkt beeinflusst. Die Kombination aus hochwertiger Ohlins-Gabel und passendem Federbein verbessert Kontrolle, Stabilität und Reaktionsverhalten. Ebenso entscheidend sind die 21/18-Räder mit rallyetauglichen Reifen sowie Schutzkomponenten wie Sturzbügel, Motorschutz und Handprotektoren.
Ist dieser Umbau eher ein Showbike oder ein wirklich funktionales Einsatzmotorrad?
Alles an diesem Projekt spricht dafür, dass Funktion vor Show stand. Die Auswahl der Bauteile folgt einer klaren Einsatzlogik. Das Fahrwerk wurde nicht für die Vitrine verbessert, sondern für Kontrolle bei wechselndem Untergrund und zusätzlicher Last. Die Schutzteile dienen der Haltbarkeit im harten Alltag. Auch die Ergonomie wurde auf lange Einsätze und geringere Ermüdung abgestimmt.


