Motocross-Rennen, keine Toiletten – und die Folie, die alles erträglich macht

Clesana C1 Folie
Die Clesana-Toilette: Für Motocrosser die erlösende Lösung an der Strecke – dank der speziell entwickelten Hochbarriere-Folie bleibt der Bus auch nach Tagen im Renneinsatz hygienisch und geruchsfrei.

Wer nach einem langen Renntag die Sammelschublade einer Clesana-Toilette im Team-Van oder Renntransporter nach vier Tagen Motocross-Wochenende aufzieht, erlebt etwas, das auf vielen deutschen Strecken fast schon wie ein Wunder wirkt: nichts. Kein Schwall, der einen vom Sprinter wegrennen lässt. Kein Reflex, den Atem anzuhalten. Die versiegelten Beutel liegen da wie Vakuum-Steaks aus der Supermarkt-Theke. Matt, glatt, komplett geruchlos. In diesem scheinbaren Nichts steckt die eigentliche Leistung des gesamten Clesana-Systems. Sie heißt Hochbarriere-Folienliner – das Ergebnis von vielen Jahren Entwicklungsarbeit.
Diese Folie ist die unsichtbare Hauptdarstellerin des Schweizer Sanitärsystems. Ohne sie läuft gar nichts. Die patentierte Schweißmechanik der fest verbauten C1 und der mobilen X1 wäre nur eine clevere Maschine ohne echten Nutzen, wenn die Folie das Niveau eines normalen Müllsacks hätte. Für Motocross-Fahrer, die an der Strecke im Campervan schlafen, macht genau das den Unterschied zwischen einer halbwegs erträglichen mobile Basis und einem stinkenden Kasten, den man nach drei Tagen Rennen und Training nur noch mit geöffneten Türen erträgt.

Gerüche, Feuchtigkeit – nichts darf hindurchdringen

Verschweißter Beutel Clesana X1
Verschweißter Beutel der Clesana X1. (Foto: mxadventure.de)

Was die Folie leisten muss, liest sich wie ein Pflichtenheft für harte Einsätze an der Strecke. Sie muss Gerüche komplett zurückhalten – dauerhaft, nicht nur die ersten Stunden nach dem Heat. Sie darf keinerlei Feuchtigkeit durchlassen, sonst würde die Sammelschublade im Heck des Transporters zur Schimmelfarm. Sie muss mechanisch belastbar sein – gegen Kanten im Stauraum, gegen Erschütterungen auf der Anfahrt über Feldwege zum Clubgelände, gegen den schlichten Restmüllsack im Teamzelt nach dem Wochenende. Sie muss bei extrem präzisen Temperaturen verschweißbar sein, weil das Clesana-Verfahren auf Thermo-Druck-Versiegelung basiert: zu kalt, und der Beutel öffnet sich; zu heiß, und das Material schmilzt durch. Und sie muss medizinische Hygienestandards erfüllen, denn die Technologie stammt ursprünglich nicht vom Campingplatz, sondern aus dem Krankenhaus.
Diese Vorgeschichte erklärt, warum Clesana ab 2009 seine ersten Praxistests in Schweizer Kliniken sammelte. Es ging nie nur um Camper oder Renntransporter. Es ging um den Schutz von Gewässern vor Pharma-Rückständen, um Toilettenlösungen direkt am Krankenbett, um Hygiene unter Reinraumbedingungen. Die Folie musste mit Zytostatika-Spuren, Antibiotika und Hormonrückständen klarkommen, ohne irgendetwas nach außen zu lassen. Die mobile Sanitärlösung für Campervans, Service-Fahrzeuge und Race-Trucks ist – so paradox es klingt – eine Spin-off-Anwendung dieser extrem strengen klinischen Anforderungen.

Mehrere Phasen der Entwicklung und des Erfolgs

Folienliner und Clesana C1
Robuste, verschweißte Folienliner – zuverlässig bei Rennwochenenden. (Foto: mxadventure.de)

Die Entwicklung dieser Hochbarriere-Folie lässt sich in drei Phasen einteilen – und daran sieht man, wie viel Aufwand hinter dem scheinbar simplen Liner steckt. Phase eins, von 2009 bis etwa 2015, war kompromisslos pragmatisch. Das Team arbeitete mit petrochemisch basierten Folien, weil biobasierte Materialien damals schlicht nicht leistungsfähig genug waren. Funktion vor Ideologie. In dieser Zeit entstanden die ersten Beutel, die die aufwendige Verschweißung aushielten und ihre Aufgabe zuverlässig erfüllten – egal ob im Klinikalltag oder später im Camper. Phase zwei startete ab 2018 mit der konsequenten Suche nach Bio-Alternativen. Die Liste der getesteten Rohstoffe liest sich wie ein Lehrbuch der nachwachsenden Materialien: Lignin aus Holzfasern, Talk als Mineralfüller, Naturwachse, pflanzliche Harze. Viele Versuche scheiterten an genau den Anforderungen, die Motocross-Fahrer auf dem Fahrerlager-Parkplatz nie sehen, aber sehr schnell riechen würden. Eine biobasierte Folie ließ sich zwar verschweißen, war aber nicht komplett geruchsdicht. Eine andere war geruchsdicht, zerbrach aber bei Feuchtigkeit. Eine dritte hielt mechanisch, schmolz dafür bei Sommertemperaturen im dunklen Transporterheck einfach weg. Der Durchbruch kam zwischen 2021 und 2024 mit einer Materialkombination, die endlich alle Kriterien gleichzeitig erfüllt: biobasiert, recyclingfähig, hochbarrierig, gut verschweißbar und temperaturstabil. Welche genaue Rezeptur dahintersteckt, bleibt Betriebsgeheimnis – Clesana lässt sich hier nicht in die Karten schauen. Bekannt ist nur: Die Bio-Variante besteht überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen und einem Anteil recyceltem Kunststoff. Mehr wird aus Wettbewerbsgründen nicht verraten.

Nicht behaupten, sondern beweisen (lassen)

2025 folgten dann die harten Prüfungen, die in der Branche Gewicht haben. Das Fraunhofer-Institut testete die Sauerstoff- und Feuchtigkeitsbarriere – mit besseren Werten als bei der bisherigen klassischen Folie. Der TÜV Rheinland zertifizierte die Bio-Variante nach den relevanten DIN-Standards. Mitte 2025 startete die Serienproduktion, zunächst für den Caravaning-Markt, später auch für Klinik, Pflege und Katastrophenhilfe – überall dort, wo sichere, dichte Beutel Pflicht sind. Gerade bei Motocross-Fahrern, die „Bio“ gern mit „verschwindet von selbst“ verwechseln, ist eine Klarstellung wichtig: Biobasiert heißt nicht kompostierbar. Wer den gebrauchten Folienliner auf den Komposthaufen hinter der Strecke wirft, riskiert genau das, was die Folie eigentlich verhindern soll – dass der Inhalt austritt. Die Hygieneanforderung schreibt vor, dass der Beutel über lange Zeiträume dicht bleibt: in der Schublade, im Müllbeutel im Transporter, im Müllwagen und schließlich auf der Deponie. Eine Folie, die sich zersetzt, wäre nach drei Wochen Sommertour mit mehreren Rennwochenenden im Wohnmobil-Heck ein echtes Risiko. „Bio“ bezieht sich hier allein auf die Herkunft der Rohstoffe, nicht auf die Abbaubarkeit.

Motocrosser mit eigenen Vans sind begeistert

Clesana C1 im Offroadreisemobil
Clesana C1 im Offroad-Reisemobil – hygienisch und praxistauglich. (Foto: mxadventure.de)

Im Alltag von Motocross-Fahrern übersetzt sich diese Technik in sehr konkrete Freiheit an der Strecke. Ein Liner reicht in der C1 für rund 36 Toilettengänge, im mobilen X1 für etwa 40 Versiegelungen. Ein kleines Team oder eine Familie kann so mehrere Tage autark auf dem Vereinsgelände oder beim Rennen im Ausland stehen, ohne sich um Sanitärcontainer, verstopfte Dixis oder die nächste Entsorgungsstation kümmern zu müssen. Am Ende des Wochenendes wandern die verschweißten Beutel einfach in den Restmüll. Kein Anstehen vor der einzigen brauchbaren Toilette, kein Kontakt mit Schwarzwasser, kein nachschwellender Eigengeruch im Transporter.
Der Vergleich zu klassischen Lösungen zeigt das sehr deutlich. Eine Chemie-Kassette muffelt schon durch ihren Plastik-Korpus, sobald sie einen warmen Tag erlebt hat – erst recht, wenn die Chemie-Dosierung nicht genau passt und der Transporter in der Sonne steht. Eine Trockentrenntoilette braucht Streu, Platz für Vorräte, eine zweite Führung für den Feststoffbehälter und eine Lösung für den Urintank. Auf vielen MX-Anlagen mit begrenzter Infrastruktur sind diese Systeme außerdem nicht überall gern gesehen. Die Hochbarriere-Folie der Clesana nimmt diesen Konflikt komplett heraus: nichts tritt aus, nichts riecht, nichts gelangt in Boden oder Gewässer – ideal für sensible Böden an Naturstrecken und Offroad-Geländen.

Raus auf die Strecke – aber Komfort und Hygiene fahren mit

Superabsorber Clesana
Superabsorber verwandeln Flüssigkeit in Gel – zusätzliche Sicherheit. (Foto: mxadventure.de)


Wer im Hochsommer bei 30 Grad im Schatten auf einem staubigen Motocross-Gelände steht, weiß, dass jede Toilettenlösung ihren Härtetest in der Hitze bekommt. Eine Trockentrenntoilette kann anfangen zu gären. Eine Chemiekassette setzt Gase frei, die sich im geschlossenen Transporter stauen. Die Verschweißtechnik mit Hochbarriere-Folie behält ihre Eigenschaften dagegen auch dann, wenn der Innenraum eines schwarzen Sprinters oder Race-Trucks auf 50 Grad aufheizt. Genau für solche Extremsituationen wurde sie entwickelt. Genau deshalb hat das Schweizer Team über Jahre hinweg Materialien durch immer neue Tests gejagt.
Die Folie bleibt dabei die unsichtbare Hauptrolle im Hintergrund. Sie kostet pro Liner nur wenige Euro – je nach Bezugsweg – und löst ein Problem, das wirklich jede MX-Crew, jeder Hobbyfahrer mit Campervan und jede Rennfamilie kennt: Wo geht man an der Strecke auf Toilette, ohne sich in den Sanitärcontainer zu quetschen oder den eigenen Bus in eine Stinkbombe zu verwandeln? Viele Jahre Entwicklung für ein Stück Folie klingen nach „übertrieben“. Wer allerdings nach vier intensiven MX-Tagen die Sammelschublade aufzieht – ohne Würgereflex, ohne Geruchswand –, weiß: kein einziger dieser Entwicklungstage war zu viel.