Wüstengenen für ernsthafte Offroad-Abenteuer
Die Ducati DesertX Rally zielt auf Fahrerinnen und Fahrer, die mehr wollen als eine schicke Reiseenduro mit gelegentlichem Schotterausritt. Dieses Motorrad ist klar in Richtung sportliches Offroad-Abenteuer positioniert – irgendwo zwischen Rallye-Spezialgerät und alltagstauglicher Reisebegleiter. Basis ist der bekannte Testastretta-11°-Motor mit 937 cm³ Hubraum, der 110 PS (81 kW) bei 9.250 U/min und 92 Nm bei 6.500 U/min liefert. Damit liegt die Rally genau in dem Leistungsfenster, das im Gelände noch gut dosierbar bleibt, auf Verbindungsetappen und der Autobahn aber genügend Reserven bietet.

Der flüssigkeitsgekühlte 90°-L-Twin arbeitet mit hoher Verdichtung von 13,3:1 und elektronischer Bosch-Einspritzung samt Ride-by-Wire und 53-mm-Drosselklappen. In der Praxis bedeutet das: spontanes Ansprechverhalten im Sport-Modus, zugleich gut kontrollierbare Kraftentfaltung in den offroadorientierten Programmen. Die desmodromische Ventilsteuerung bleibt ein Ducati-Markenzeichen und ermöglicht lange Ventilspielkontrollintervalle von 30.000 km – ein Pluspunkt für alle, die mit der DesertX Rally eher Pisten als Werkstätten ansteuern wollen.



Fahrwerk mit deutlich mehr Reserven im Gelände
Der entscheidende Unterschied zur Standard-DesertX liegt im Fahrwerk. Die DesertX Rally setzt vorne auf eine 48-mm-KYB-Upside-down-Gabel mit Closed-Cartridge-Konstruktion, voll einstellbar in Zug- und Druckstufe. Kashima-Beschichtung der Standrohre und DLC-Beschichtung der Gleitrohre reduzieren Reibung und Verschleiß – ein Detail, das vor allem im harten Offroad-Einsatz spürbar wird, wenn die Gabel permanent über Wellen, Steine und Kanten arbeitet. Hinten arbeitet ein voll einstellbares KYB-Federbein mit 46-mm-Kolben, separater High-/Low-Speed-Druckstufendämpfung und hydraulischem Federvorspannungsversteller an einer Aluminium-Zweiarmschwinge.

Mit 250 mm Federweg vorne und 240 mm hinten legt die Rally-Variante 20 mm gegenüber der Standardversion drauf. In Verbindung mit 280 mm Bodenfreiheit – stolze 30 mm mehr – entsteht genau der Spielraum, der im Geröllhang oder in tiefen Spurrillen den Unterschied zwischen Durchkommen und Aufsitzen ausmacht. Die Speichenräder (21 Zoll vorn, 18 Zoll hinten) mit robusten Takasago-Excel-Felgen unterstreichen den Anspruch, jenseits von Asphalt ernst genommen zu werden. Bereift ist die DesertX Rally mit Pirelli Scorpion Rally STR in 90/90-21 vorn und 150/70-18 hinten, also einem klar offroadorientierten, aber noch straßentauglichen Reifenmix.
Bremsen, Ergonomie und Dimensionen im Enduro-Kontext
Gebremst wird vorne mit zwei 320-mm-Halbschwimmscheiben samt radial montierten Brembo-Monoblock-Vierkolbensätteln. Hinten verzögert eine 265-mm-Scheibe mit Zweikolbensattel. Unterstützt wird das Ganze von einem schräglagensensitiven Bosch-Cornering-ABS. Für den Geländeeinsatz ist entscheidend, dass das System in den Offroad-Fahrmodi angepasst und teilweise reduziert werden kann, um auf lockerem Untergrund ein sauberes Bremsen mit leichtem Blockieren des Hinterrades zu ermöglichen. Diese Balance zwischen Sicherheit auf der Straße und Kontrolle im Gelände ist bei einem 211 kg schweren Motorrad (fahrfertig ohne Kraftstoff) essenziell.



Die Geometrie ist klar auf Stabilität und Offroad-Kontrolle ausgelegt: 27,6° Lenkkopfwinkel, 122 mm Nachlauf und ein Radstand von 1.625 mm sorgen für Ruhe im Fahrwerk, wenn die Geschwindigkeit auf Schotter steigt oder tiefe Spurrillen an der Front zerren. Mit 910 mm Sitzhöhe (optional 880 mm mit niedriger Sitzbank) richtet sich die DesertX Rally an großgewachsene Fahrer oder an diejenigen, die mit sportlicher Enduro-Sitzposition vertraut sind. Wer Rallye- oder Hard-Enduro-Erfahrung hat, wird sich über die hohe Sitzposition und die gute Bewegungsfreiheit im Stehen auf den Rasten freuen.

Elektronikpaket für Straße, Schotter und Rallye
Ein umfangreiches Elektronikpaket macht die DesertX Rally vielseitig einsetzbar. Sechs Fahrmodi – Sport, Touring, Urban, Wet, Enduro und Rally – passen Motorleistung, Gasannahme, Traktionskontrolle und ABS auf Knopfdruck an. Ergänzend stehen unterschiedliche Power Modes zur Verfügung, um die 110 PS je nach Einsatzgebiet feiner zu dosieren. Ducati Traction Control (DTC), Ducati Wheelie Control (DWC) und Engine Brake Control (EBC) erweitern den Einstellspielraum vom sicherheitsorientierten Straßentrimm bis hin zur fast ungefilterten Rallye-Charakteristik.

Das Bosch-Cornering-ABS hilft auf der Straße, kritische Situationen in Schräglage abzufangen, während im Gelände reduzierte ABS-Modi oder deaktivierbare Funktionen mehr Freiheit geben. Hinzu kommen Ducati Brake Light (DBL), das bei starken Bremsmanövern automatisch das Bremslicht aktiviert, sowie ein Tempomat, der längere Überführungsetappen entspannter gestaltet. Alle Informationen landen auf einem 5-Zoll-TFT-Farbdisplay, das auch in ruppiger Umgebung gut ablesbar bleibt und die Vielzahl an Fahrwerks- und Motorparametern übersichtlich darstellt.
Faszinierendes Detail: das konsequent rallyetaugliche Fahrwerk
Unter den vielen Komponenten der DesertX Rally sticht das Fahrwerk als eigentliche Schlüsselfunktion hervor. Die Kombination aus Closed-Cartridge-KYB-Gabel, langem Federweg, großer Bodenfreiheit und den stabilen Speichenrädern macht klar, dass hier mehr als eine optische Wüstenkulisse geboten wird. Gerade wer aus dem klassischen Reiseenduro-Segment kommt, merkt im ersten Geländeausflug schnell, dass Reserven bei Härte und Dämpfung oft fehlen. Die DesertX Rally adressiert genau dieses Problem: Bodenwellen werden sauber absorbiert, wiederholte harte Schläge bringen das System nicht so schnell an seine Grenzen, und die präzisen Einstellmöglichkeiten ermöglichen eine Anpassung von schnellem Schotter bis zum technischen Singletrail.


Der Bezug zum Erzbergrodeo ist offiziell: Die Lackierung greift das Design der DesertX auf, mit der Antoine Meo den Prolog des Erzbergrodeos gewann – ein Hinweis darauf, wie ernst der Ansatz ist. Ein voll einstellbares Offroad-Fahrwerk bedeutet nicht nur Komfort, sondern auch weniger Materialstress, höhere Spurtreue und am Ende des Tages mehr Reserven für den Fahrer.
Reichweite, Alltag und Langstreckenperspektive
Trotz klarer Offroad-Orientierung vergisst die DesertX Rally den Reiseaspekt nicht. Der 21-l-Tank bietet in Verbindung mit dem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 5,6 l/100 km eine praxisgerechte Reichweite für längere Etappen abseits dichter Tankstellennetze. Die Zweipersonenzulassung macht die Maschine auch für Touren zu zweit interessant, sofern die Sozia oder der Sozius mit der Sitzhöhe klarkommt. USB- und 12-V-Steckdosen erleichtern die Nutzung von Navigations- und Ladegeräten, die Voll-LED-Beleuchtung samt Tagfahrlicht verbessert die Sichtbarkeit.
Mit Ölwechselintervallen von 15.000 km oder 24 Monaten sowie der großzügigen Ventilspielkontrolle alle 30.000 km bleibt der Wartungsaufwand im Rahmen dessen, was bei einem sportlichen Zweizylinder im Adventure-Bereich erwartet wird. Die Werksgarantie über 48 Monate ohne Kilometerbegrenzung ist ein weiterer Punkt, der Vielfahrer anspricht. Für Fahrer mit A2-Führerschein wird zudem eine 35-kW-Variante der DesertX angeboten, wodurch die DesertX auch als langfristige Lösung attraktiv wird – zunächst gedrosselt, später mit voller Leistung.
Die Ducati DesertX Rally in der Iron-Giant-Lackierung startet zu einem Listenpreis von 21.890 Euro.
Bilder: Hersteller
FAQ
1) Für wen ist die Ducati DesertX Rally sinnvoll – und wann wäre die Standard-DesertX die bessere Wahl?
Die DesertX Rally richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die regelmäßig ernsthaft offroad unterwegs sind und ein Fahrwerk brauchen, das bei Tempo auf Schotter, in ausgefahrenen Spurrillen oder im Geröll nicht früh „zumacht“. Die zusätzlichen Federwegs- und Bodenfreiheitsreserven, die hochwertige KYB-Closed-Cartridge-Gabel und die feineren Einstellmöglichkeiten zahlen sich vor allem dann aus, wenn du häufig auf anspruchsvollen Pisten fährst oder Rallye-ähnliche Etappen planst. Wer dagegen überwiegend Straße fährt und Offroad eher als gelegentlichen Abstecher nutzt, kommt mit einer weniger kompromisslosen Abstimmung oft entspannter und günstiger ans Ziel.
2) Wie alltagstauglich ist die DesertX Rally trotz Offroad-Fokus (Sitzhöhe, Gewicht, Reichweite)?
Alltagstauglich ist die DesertX Rally dann, wenn du mit ihrer Enduro-Ergonomie leben kannst. Die Sitzhöhe von 910 mm (optional 880 mm) ist für viele ein Knackpunkt: Im Stop-and-Go oder beim Rangieren verlangt sie sichere Beinlänge und Routine. Dazu kommt das fahrfertige Gewicht ohne Kraftstoff von 211 kg, was sich im Gelände wie auch beim Wenden auf engem Raum bemerkbar macht. Gleichzeitig liefert der 21-Liter-Tank in Verbindung mit dem angegebenen Verbrauch eine solide Reichweite für Pendeln und Reiseetappen. Praktische Details wie LED-Licht, Steckdosen und Tempomat stärken den Reise- und Alltagsnutzen.
3) Was bringen Fahrmodi, Traktionskontrolle und Cornering-ABS offroad wirklich – und worauf sollte man achten?
Die Elektronik der DesertX Rally ist nicht nur „nice to have“, sondern kann im Wechsel zwischen Asphalt und losem Untergrund echten Stress reduzieren. Fahrmodi und Power Modes verändern die Gasannahme und machen die 110 PS je nach Situation besser dosierbar – hilfreich, wenn Traktion knapp ist oder du im Stehen über ruppige Passagen fährst. Traktionskontrolle und ABS können Sicherheit geben, müssen offroad aber sinnvoll angepasst werden: Zu strenge Regelung nimmt Vortrieb, und ein zu stark eingreifendes ABS verlängert auf Schotter oft den Bremsweg. Ideal ist, die Offroad-Modi bewusst zu nutzen und Einstellungen vor der Etappe zu testen.


