Die Diskussion um den „Stark VARG Killer“ bekommt neuen Zündstoff: Mit der Bonnell 902 drängt ein Elektro-Motocrosser aus Texas auf die Strecke, der vieles anders – und vor allem leichter – machen will. Während viele E-Crosser noch mit Übergewicht und sperrigen Konzepten kämpfen, setzt die 902 klar auf radikale Performance für Motocross- und Enduro-Fans, die keine Lust auf Kompromisse haben. Hinter dem Projekt steht Bonnell aus Austin, Texas, angeführt von Gründer und CEO Matthew Wauters, der in der Szene kein Unbekannter ist.

Bonnell 902 gegen Stark Varg: Leichter, stärker, kompromissloser
Herzstück der Bonnell 902 ist ein Elektroantrieb mit 88,3 PS (87 hp) Spitzenleistung. Im direkten Vergleich zur viel diskutierten Stark Varg legt die 902 damit noch einmal rund zehn Prozent drauf: 88,3 PS stehen 80 PS gegenüber – ein Unterschied, der auf tiefen, ausgefahrenen MX-Strecken und steilen Enduro-Auffahrten spürbar sein dürfte. Dazu kommt eine angegebene Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h, was für eine reinrassige Offroad-Waffe mehr als ausreichend ist.
Doch reine Leistung ist im Gelände nur die halbe Miete. Viel entscheidender ist das Verhältnis aus Power und Gewicht. Hier setzt die Bonnell 902 ein dickes Ausrufezeichen: In der Standardkonfiguration bringt sie 95,7 kg fahrfertig auf die Waage. Mit der leichten Sprint-Batterie schrumpft das Gewicht sogar auf 88,7 kg. Damit liegt die 902 satte 22,3 kg unter der Stark Varg MX – ein Unterschied, der sich in Kurven, beim Umsetzen des Bikes und in technischen Sektionen direkt in Vertrauen und Speed übersetzen dürfte.
Batterie-Varianten: Von Sprint bis Langdistanz
Um unterschiedliche Einsatzzwecke abzudecken, bietet Bonnell für die 902 gleich drei Akkuvarianten an. Die Core-Batterie mit 5,6 kWh und die Race-Batterie mit 6,7 kWh sind die Optionen für alle, die längere Stints auf der MX-Piste oder im Enduro-Gelände fahren wollen. Wer jede Runde auf der Zeitnahme im Blick hat und auf maximale Agilität setzt, greift zur Sprint-Batterie mit 4,7 kWh. Diese spart rund 7 kg gegenüber den größeren Speichern ein und macht aus der 902 ein extrem handliches Werkzeug für enge, technische MX-Strecken oder Enduro-Sonderprüfungen mit vielen Richtungswechseln.

Spannend ist der Ansatz beim Akkutausch: Die Batterie ist herausnehmbar und so konstruiert, dass ein Wechsel in unter 30 Sekunden möglich sein soll. Fixiert wird sie über vier Schrauben, ein separater Stecker entfällt. Für den Rennbetrieb bedeutet das: Akkuwechsel in der Box ohne Kabelgefummel, dafür klare, mechanische Sicherung. Im Enduro-Bereich eröffnet der schnelle Akkutausch neue Möglichkeiten: Statt mit großem, schweren Akku loszufahren, kann gezielt auf Etappenlänge und Streckenprofil abgestimmt werden. Leichte Sprint-Batterie für kurze, extrem technische Sonderprüfungen, größere Race- oder Core-Batterie für längere Runden – und im Servicebereich wird die Energiequelle einfach gewechselt. Das reduziert Standzeiten und hält die 902 länger da, wo sie hingehört: im Dreck.
Chassis und Fahrwerk: SIRRIS-Komponenten für harte Einsätze
Damit die Leistung der Bonnell 902 auch auf den Boden kommt, setzt der Hersteller auf ein Aluminium-Chassis mit hydrogeformter Aluminiumschwinge und integriertem Getriebe. Der Rahmen soll Steifigkeit und geringes Gewicht kombinieren – genau das, was ein modernes E-MX-Bike braucht, um die brachiale E-Power kontrollierbar zu machen. Interessant für Fahrwerks-Fetischisten: Bonnell vertraut auf SIRRIS-Federelemente.
Vorne arbeitet serienmäßig eine 43-mm-SIRRIS-Gabel mit 285 mm Federweg. Laut Hersteller erreicht diese trotz des kleineren Durchmessers die Steifigkeit einer 48-mm-Gabel – ein Ansatz, der Gewicht spart, ohne auf Präzision in Anbremszonen und bei harten Landungen zu verzichten. Wer kompromisslosen Rennbetrieb im Blick hat, kann zur optionalen 48-mm-„Race“-Gabel mit 310 mm Federweg greifen.
Race-Optionen hinten: Mehr Reserven für große Sprünge
Am Heck ist ein 46-mm-SIRRIS-Dämpfer mit 285 mm Federweg verbaut, der sich an sportliche Offroad-Fahrer richtet, die ein sensibles Ansprechverhalten und gute Traktion erwarten. Für wirklich harte Gangart – große Sprünge, tiefe Spurrillen, lange Renndistanzen – steht ein optionaler 50-mm-„Race“-Dämpfer mit 320 mm Federweg zur Wahl. Damit positioniert sich die Bonnell 902 klar im Bereich ernstzunehmender Renntechnik, die sowohl Motocross- als auch Enduro-Piloten anspricht, die ihr Fahrwerk auf Strecke und Fahrstil abstimmen wollen.

Die Kombination aus Aluminiumrahmen, hydrogeformter Schwinge und den SIRRIS-Federbeinen zielt auf ein präzises, leichtfüßiges Handling. In Verbindung mit dem niedrigen Gesamtgewicht dürfte die 902 vor allem in engen Kurven und bei schnellen Richtungswechseln glänzen – ein Terrain, in dem schwere E-Bikes bisher oft das Nachsehen hatten.
Elektronik, JoyCon und Rückwärtsgang: Detaillösungen für den Alltag
Ein Blick auf die Ausstattung zeigt, dass sich Bonnell nicht nur um nackte Zahlen gekümmert hat, sondern auch um die Praxis im Fahrerlager. Ein besonderes Detail ist der integrierte Rückwärtsgang. Wer schon einmal mit einem vollgefederten E-Crosser im Steilstück umdrehen oder in einer engen Auffahrt rangieren musste, weiß, wie hilfreich ein Rückwärtsgang sein kann – vor allem, wenn das Bike trotz Leichtbau immer noch knapp unter 90 kg wiegt.

Die Steuerung der Leistung übernimmt ein programmierbarer JoyCon-Controller am Lenker. Dieser arbeitet mit einem Weg von 5 mm und erlaubt unterschiedliche Kennfelder. So kann die 902 von zahm und traktionorientiert für rutschige Enduro-Passagen bis hin zu aggressivem Punch für das MX-Startgatter eingestellt werden. Ein redundanter Gasgriff mit zwei Bowdenzügen sorgt dabei für zusätzliche Sicherheit und ein klassisches Gefühl in der Gas-Hand, das viele Umsteiger von Verbrennern schätzen dürften.
Fazit: Bonnell 902 als ernsthafte Herausforderung im E-MX-Sektor
Mit der 902 positioniert sich Bonnell klar im Segment leistungsstarker E-Motocrosser und spricht alle an, die ein leichtes, aggressives Offroad-Bike suchen, das sich nicht hinter etablierten Namen verstecken will. 88,3 PS Spitzenleistung, bis zu 22,3 kg Gewichtsersparnis gegenüber der Stark Varg MX und ein konsequent auf Rennsport getrimmtes Chassis machen deutlich, wohin die Reise gehen soll. Der geplante Marktstart der ersten Serienmodelle im vierten Quartal 2026 lässt noch etwas Wartezeit, aber die technischen Daten versprechen bereits jetzt eine spannende Alternative für MX- und Enduro-Fans, die bei der Elektrifizierung des Sports nicht nur mitfahren, sondern vorne dabei sein wollen.

Bilder: Hersteller
FAQ
1) Was macht die Bonnell 902 im Vergleich zur Stark Varg besonders – und für wen lohnt sich das?
Die Bonnell 902 setzt im Artikel vor allem auf das Verhältnis aus Leistung und Gewicht. Mit 88,3 PS Spitzenleistung und einem fahrfertigen Gewicht von 95,7 kg (bzw. 88,7 kg mit Sprint-Batterie) zielt sie auf Fahrer, die ein sehr leichtes, reaktionsschnelles Bike für Motocross-Starts, enge Kurven und technische Enduro-Sektionen suchen. Der große Vorteil wäre weniger Massenträgheit: schnelleres Umlegen, leichteres Korrigieren in Spurrillen und mehr Vertrauen bei Richtungswechseln. Wer eher gemütliche Trail-Runden fährt, profitiert davon weniger als ambitionierte Racer.
2) Welche Akku-Variante ist sinnvoll – Sprint, Core oder Race – und wie beeinflusst das das Fahrgefühl?
Die Sprint-Batterie (4,7 kWh) ist laut Text für maximale Agilität gedacht: weniger Gewicht, dafür eher kürzere Stints, ideal für kurze MX-Läufe oder Enduro-Sonderprüfungen mit vielen Richtungswechseln. Core (5,6 kWh) und Race (6,7 kWh) richten sich an Fahrer, die längere Fahrzeiten brauchen, etwa für längere Trainings oder Enduro-Runden. Praktisch bedeutet das: Mit größerem Akku steigt tendenziell das Gewicht, was Stabilität bringen kann, aber das Bike weniger „handlich“ macht. Die Wahl ist also ein Kompromiss aus Reichweite und maximaler Leichtfüßigkeit.
3) Wie praxisnah ist der Akkuwechsel in unter 30 Sekunden – und was bringt das im Rennbetrieb wirklich?
Der Artikel beschreibt den Akku als herausnehmbar und in weniger als 30 Sekunden wechselbar, fixiert über vier Schrauben und ohne separaten Stecker. Wenn das im Alltag wirklich so schnell und zuverlässig funktioniert, wäre es ein echter Vorteil: Im Motocross könnte ein Akkuwechsel eine Art „Energie-Boxenstopp“ ermöglichen, statt Fahrzeit durch langes Laden zu verlieren. Im Enduro ließe sich die Batterie gezielt ans Streckenprofil anpassen (leicht für kurze, technisch harte Etappen; größer für lange Runden). Entscheidend bleibt jedoch, ob Teams das System routiniert und sicher unter Rennstress bedienen können.


