Wenn ein Hersteller sein 70-jähriges Bestehen feiert, dann meist mit reichlich Chrom und großen Worten. Yamaha geht mit der YZ250 70th Anniversary Edition einen anderen Weg: Hier wird eine Motocross-Legende in ein Jubiläumskleid gesteckt, ohne ihren rauen, kompromisslosen Charakter zu glätten. Die Basis bildet die bekannte YZ250, ein 250-cm³-Zweitakter, der seit Jahrzehnten als Inbegriff für direkte Gasannahme, geringes Gewicht und gnadenlosen Vortrieb gilt – gemacht für Fahrerinnen und Fahrer, die im Gelände klare Ansagen statt höflicher Kompromisse suchen.
Die Sonderedition kommt im „Anniversary White“-Design mit klassischer weiß-roter „Speed Block“-Optik. Dieses Layout erinnert an die großen Rennjahre der Marke und macht sofort deutlich, worum es hier geht: Motorsport-DNA ohne Filter, ein Bike, das von seiner Historie lebt und gleichzeitig voll auf den Einsatz im Motocross- und Enduro-Umfeld abgestimmt ist.
Renn-DNA seit 1974: Die Geschichte der YZ250

Die Wurzeln der YZ250 reichen bis ins Jahr 1974 zurück. Damals rollte die YZ250M mit einem 246-cm³-Luftgekühlten Zweitaktmotor und Monocross-Einfederbein ans Startgatter. Schon dieses erste Modell legte die Basis für das, was die Baureihe bis heute auszeichnet: einfache, robuste Technik, kombiniert mit Fahrwerkslösungen, die im Gelände einen klaren Vorteil bringen. Im Motocross zählt jede Zehntelsekunde, aber auch jede eingesparte Schraube und jedes Bauteil, das im Schlamm einfach zu warten ist.
Aus der luftgekühlten Pionierin ist über die Jahrzehnte ein moderner, flüssigkeitsgekühlter Zweitakter mit 249 cm³ geworden. Die YZ250 hat technische Evolution immer wieder mitgemacht, ohne ihr Grundprinzip zu verraten: maximale Performance bei möglichst geringem Gewicht. 1989 hielt die auf dem Rennsport etablierte Upside-down-Gabel Einzug, 2005 folgte der Wechsel auf einen Aluminiumrahmen, der die frühen Stahlrahmen ablöste und für mehr Steifigkeit bei weniger Masse sorgte. Für Motocross- und Enduro-Fans bedeutet das: präziseres Einlenken, mehr Stabilität in schnellen Passagen und besseres Feedback auf Wurzeln, Wellen und tiefe Spurrillen.
Motor und Technik: Zweitakt-Punch mit YPVS

Im Zentrum der YZ250 70th Anniversary Edition arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter Zweitakt-Single mit 249 cm³ Hubraum. Die Bohrung von 66,4 mm und der Hub von 72,0 mm ergeben einen Motor, der klar auf breiten nutzbaren Drehmomentbereich und kräftigen Antritt ausgelegt ist. Das Verdichtungsverhältnis von 8,9 bis 10,6 : 1 bleibt für Zweitaktverhältnisse im praxisgerechten Bereich und erlaubt den typischen, explosiven Leistungsaufbau, den Fans dieser Motorengattung schätzen.

Ein zentrales Technik-Detail ist das Yamaha Power Valve System (YPVS), die variable Auslasssteuerung des Motors. Sie sorgt dafür, dass die YZ250 nicht nur im oberen Drehzahlbereich knallhart anschiebt, sondern auch aus niedrigeren Drehzahlen sauber herauszieht. Gerade im Motocross, wo enge Kehren direkt in kurze Geraden münden, oder im Enduro-Einsatz, wenn zwischen Wurzeln und Steinen spontaner Grip gefragt ist, spielt dieses System seine Stärken aus. Der Fahrer erhält einen breiten, hart einsetzenden Leistungsbereich, der sich deutlich kontrollierbarer anfühlt als bei älteren Zweitaktern ohne Auslasssteuerung.
Traditionelle Zweitakter sind für ihren „ON/OFF“-Charakter bekannt: unten wenig, oben alles. Für erfahrene Piloten mag das reizvoll sein, im hektischen Rennalltag oder auf rutschigem Untergrund fordert es jedoch viel Konzentration. YPVS setzt an dieser Stelle an, indem es die effektive Auslasshöhe drehzahlabhängig verändert und so den Gasbefehl glättet, ohne den brachialen Punch zu kastrieren. Für den MX- oder Enduro-Einsatz bedeutet das: Aus dem Scheitelpunkt einer Kurve heraus lässt sich die Kraft deutlich feiner dosieren. Der Fahrer kann das Hinterrad gezielt an den Grenzbereich des Grips bringen, statt ständig zwischen Durchdrehen und Absterben des Motors zu pendeln. Gleichzeitig steht, sobald der Motor frei ausdrehen darf, das komplette Zweitakt-Gewitter parat. Diese Mischung aus Beherrschbarkeit und Radau macht den Reiz der YZ250 gerade für ambitionierte Hobby-Racer und Club-Sportler aus, die ein Bike möchten, das sie fordert, aber nicht permanent bestraft.


Getriebe, Antrieb und klassische Bedienung

Zur Kraftübertragung setzt Yamaha bei der YZ250 70th Anniversary Edition auf ein Constant-Mesh-Fünfganggetriebe. Fünf sauber abgestufte Gänge reichen im Motocross- wie im Enduro-Bereich völlig aus, um vom engen Infield bis zur Startgeraden die passende Übersetzung zu finden. Die Mehrscheiben-Ölbadkupplung ist auf harte Rennstarts und häufiges Kuppeln in technischen Sektionen ausgelegt. Der Antrieb erfolgt standesgemäß über eine Kette – simpel, robust, überall auf der Welt im Fahrerlager problemlos zu warten.
Beim Start verzichtet Yamaha auf moderne Spielereien: Die YZ250 wird klassisch per Kickstarter geweckt. Wer Zweitakter fährt, kennt das Ritual – bei richtiger Technik und sauber eingestelltem Motor ist der Einzylinder schnell zum Leben erweckt. Geschmiert wird der Motor per Gemischschmierung (Premix), also durch Vormischen von Benzin und Zweitaktöl. Diese Lösung passt zum kompromisslosen Offroad-Charakter des Bikes: weniger Bauteile, weniger Gewicht, mehr Kontrolle über das, was im Tank landet.
70 Jahre Yamaha: Optik mit klarer Botschaft
Die 2026er YZ250 70th Anniversary Edition steht in direkter Verbindung zur Gründung von Yamaha Motor im Jahr 1955. Die Sonderlackierung in Anniversary White mit roten Speed Blocks schlägt die Brücke zwischen den frühen Werksrennern und der heutigen MX-Technik. Auf der Strecke fällt die Maschine damit sofort auf: kein greller Neon-Overkill, sondern ein retro-inspiriertes Design, das bewusst auf Klassiker verweist, ohne altmodisch zu wirken.
Für Fans, die sich bewusst für einen Zweitakter entscheiden, geht es oft nicht nur um Rundenzeiten, sondern auch um Emotion und Identität. Die Jubiläumsedition bedient genau diese Ebene. Sie ist keine weichgespülte Lifestyle-Variante, sondern eine vollwertige Motocross-Maschine mit Renngenen, die lediglich ein besonderes Outfit trägt. Das macht sie attraktiv für Sammler, aber genauso für aktive Racer, die nicht nur fahren, sondern auch ein Stück Markengeschichte in die Startaufstellung schieben wollen.
Preis: auf Anfrage beim Yamaha-Händler.
Bilder: Hersteller

