Diese Dakar-GS weckt das Fernweh im Staub

Custom BMW R1200 GS im Rallye-Look als RSD Dakar GS Umbau mit markanter Verkleidung und Gullwing-Elementen.
Die RSD Dakar GS vereint den Geist der Dakar-Rallye der 80er Jahre mit moderner Technik auf BMW-Basis. (Foto: rolandsands.com)

Es gibt Motorräder, die beeindrucken mit Zahlen. Und es gibt Motorräder, die sofort ein Kopfkino starten. Die RSD Dakar GS gehört klar zur zweiten Sorte. Dieses Projekt nimmt die große Mythologie der frühen Wüstenrallyes auf und übersetzt sie in eine moderne BMW-Basis, ohne den rauen Geist jener Zeit zu verlieren. Der Ausgangspunkt war eine BMW GS 1200 aus dem Jahr 2008, die mit einer klaren Idee in die Werkstatt kam: Sie sollte im harten technischen Gelände deutlich besser funktionieren als das Serienmotorrad. Aus dieser Richtung entwickelte sich schließlich ein Neo-Retro-Umbau, der sich sichtbar an den Dakar-Werksmaschinen der 1980er orientiert.

Genau darin liegt der Reiz dieses Motorrads. Es will keine nostalgische Kulisse sein, sondern eine ernsthaft gedachte Geländemaschine mit historischer Seele. Die Inspiration stammt von einer 1986er GS aus dem BMW-Rennsportumfeld von HPN, pilotiert vom zweifachen Dakar-Sieger Gaston Rahier. Der Anspruch bei diesem Umbau war entsprechend hoch: Jedes Bauteil sollte so entstehen, als müsste dieses Motorrad tatsächlich um den Sieg fahren.

Nahaufnahme eines originalen BMW R80 GS Paris Dakar-Tanks und weiterer Anbauteile für den Umbau zur RSD Dakar GS
Original BMW Paris Dakar-Tank und weitere Teile für den RSD Dakar GS Umbau (Foto: rolandsands.com)

Eine Legende als Leitbild

Die ursprüngliche Dakar galt über Jahre als eine der härtesten und gefährlichsten Offroad-Rallyes der Welt. Auf rund 15.000 km über drei Wochen wurde Mensch und Maschine alles abverlangt. Genau dieses Bild schwingt bei der RSD Dakar GS in jeder Linie mit. Der Umbau versucht nicht einfach, eine alte Rennmaschine zu kopieren. Stattdessen wird die Essenz der 80er-Jahre-Dakar auf eine moderne BMW R 1200 GS übertragen.

Mehr als nur Retro

Entscheidend ist dabei die Konsequenz. Der Tank stammt von einem originalen BMW R80 GS Paris Dakar-Modell, wurde aber so modifiziert, dass die moderne Einspritztechnik der R 1200 GS sauber integriert werden konnte. Auch der originale Hilfsrahmen blieb erhalten, bekam jedoch gezielte Anpassungen für den klassischen Look sowie für Fender im Stil der 80er, eine maßgefertigte Saddlemen-Sitzbank und eine Survival-Box. Das wirkt nicht wie eine Stilübung, sondern wie ein Motorrad, das für echtes Reisen abseits befestigter Wege gedacht ist.

Das spannendste Detail sitzt ganz vorn

Am faszinierendsten ist an dieser Maschine die Front. Die serienmäßige 41-mm-Telegabel der GS musste weichen und wurde durch eine deutlich kräftigere 45-mm-Gabel der Honda Africa Twin CRF1000L ersetzt. Veredelt wurde sie mit einem Öhlins-Cartridge-Kit. Schon das wäre ein massiver Eingriff. Doch bei dieser BMW war der Umbau wegen der speziellen Frontkonstruktion wesentlich aufwendiger. Statt einfach neue Gabelholme zu montieren, wurde gleich die komplette vordere Rahmenhälfte ersetzt. Sie stammt von einer BMW R nine T des Modelljahrs 2018.

Motorradteile der RSD Dakar GS, darunter Motor, Rahmen, Luftfilter, Federbein, Felge und Sitzbank, ausgebreitet in einer Werkstatt
Einzelne Bauteile und Komponenten der RSD Dakar GS auf Werkstattboden (Foto: rolandsands.com)

Gebaut für Kontrolle statt Show

Dazu kamen eigens angefertigte Billet-Gabelbrücken, die leicht angepasst wurden, um mit der neuen Frontpartie zu funktionieren. Das Ergebnis ist besonders interessant, weil die Geometrie am Ende fast jener der BMW HP2 entsprach. Und genau das sagt viel über den Charakter dieses Umbaus. Die HP2 steht bis heute für ernsthafte Offroad-Kompetenz im Boxer-Kosmos. Wer schwere Reiseenduros wirklich im Gelände bewegt, weiß, wie wichtig eine stimmige Front für Rückmeldung, Spurtreue und Vertrauen auf losem Untergrund ist. Diese Dakar GS verspricht genau dort ihren größten Fortschritt.

Mechaniker baut Motorrad RSD Dakar GS in Werkstatt um, Fokus auf Motor und Rahmen
Ein Mechaniker arbeitet am Motor und Rahmen der RSD Dakar GS während des Umbaus (Foto: rolandsands.com)

Rallye-Gene in Blech, Aluminium und Licht

Auch optisch trägt die Maschine ihr Thema mit Nachdruck. Die handgefertigte Rallye-Verkleidung nimmt zwei XL Pro LED-Scheinwerfer von Baja Designs auf. Wo früher Rollcharts den Weg durch die Etappe vorgaben, arbeitet hier ein Lowrance Elite-5 Ti GPS. Das passt zum Konzept: klassische Rallye-Ästhetik, aber dort modernisiert, wo Zuverlässigkeit und Nutzbarkeit tatsächlich zählen. Ergänzt wird das Cockpit durch einen Raceco-Rallye-Tower, ProTaper-Evo-Lenker und einen Scotts-Lenkungsdämpfer, der vor gefährlichem Lenkerschlagen schützen soll.

BMW Boxermotor mit Aluminium-Brustplatte und offenem Gitterrahmen im Detail, Teil des RSD Dakar GS Umbaus.
Nahaufnahme des BMW-Boxermotors mit handgefertigter Aluminium-Brustplatte und modernen Komponenten am RSD Dakar GS Umbau. (Foto: rolandsands.com)

Besonders schön gelöst ist die sogenannte Breastplate aus handbearbeitetem Aluminium. Sie greift die Linien klassischer BMW-Rallye-Teile auf und gibt der Front zusätzlichen Charakter. Zusammen mit der von Airtrix gestalteten Retro-Lackierung entsteht ein Auftritt, der tief im Dakar-Kosmos verankert ist, ohne zur bloßen Kopie zu werden.

Warum diese Technik im Gelände Sinn ergibt

Bei den Rädern zeigt sich ebenfalls, dass hier nicht nur fürs Auge gebaut wurde. Verbaut sind groß dimensionierte Naben und Speichen sowie Excel-Takasago-Felgen in 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten. Genau diese Kombination ist im Enduro- und Rallye-Bereich nach wie vor eine starke Wahl, weil sie Hindernisse sauberer überrollt, Reifenoptionen erweitert und im losen Untergrund Vorteile bringt. Aufgezogen sind Dunlop D908RR Rally Raid in 90/90-21 vorn und 140/80-18 hinten.

Detailansicht einer Excel Takasago Motorradfelge mit Speichen und Dunlop D908RR Reifen an der RSD Dakar GS.
Nahaufnahme einer montierten Excel Takasago Felge mit Speichen und Bremsscheibe an der RSD Dakar GS. (Foto: rolandsands.com)

Die richtige Mischung für weite Etappen

Hinzu kommen Zwillings-Luftfilter von K&N, eine komplette Akrapovič-Abgasanlage, ein Öhlins-Federbein hinten, robuste Handschützer von Cycra, ein Touratech-Aluminium-Motorschutz und SW-Motech-Rallye-Low-Crashbars. Solche Komponenten sind für Fahrer mit Fernweh mehr als Zubehör. Sie sind genau die Bausteine, die eine große Boxer-Enduro auf schwierigen Passagen haltbarer und berechenbarer machen. Dass auch Details wie Ventildeckelschützer, Drosselklappenschutz oder Gabelschützer berücksichtigt wurden, zeigt den hohen Praxisbezug des Umbaus.

Öhlins-Federbein für den Einsatz in einer umgebauten BMW R 1200 GS, liegend auf einer Werkstattfläche
Detailaufnahme eines Öhlins-Federbeins, wie es beim RSD Dakar GS Umbau verwendet wird. (Foto: rolandsands.com)

Eine Hommage, die tatsächlich fahren will

Am Ende überzeugt an der RSD Dakar GS vor allem ihre innere Geschlossenheit. Viele Retro-Umbauten sehen stark aus und verlieren sich dann im Widerspruch zwischen Form und Funktion. Dieses Motorrad geht den anderen Weg. Es verbindet den Geist der großen Wüstenrallyes mit einer technischen Auslegung, die auf Kontrolle, Haltbarkeit und Offroad-Tauglichkeit zielt. Das macht sie gerade für Enduro- und Reiseenduristen interessant, die in einem Umbau nicht nur Design, sondern Substanz sehen wollen.

BMW RSD Dakar GS Umbau im Rallye-Stil mit Akrapovič-Anlage und Spezialausstattung, seitliche Ansicht in einer Halle.
Die einzigartige RSD Dakar GS vereint Retro-Dakar-Look mit modernster Technik auf BMW-Basis. (Foto: rolandsands.com)

Ihr öffentlicher Auftritt beim One Moto Show in Portland und die Auszeichnung mit dem EURO ALRIGHT AWARD unterstreichen, wie stark dieses Konzept angekommen ist. Noch wichtiger ist aber etwas anderes: Diese Maschine erzählt eine Geschichte, die jeder Offroad-Fan sofort versteht. Von langen Etappen, grobem Wellblech, tiefem Sand und dem Wunsch, mit einem Motorrad ganz weit hinter den Horizont zu fahren.

Bilder: Hersteller