Die Husqvarna 701 Enduro 2026 zielt genau auf jene Fahrerinnen und Fahrer, die sich nicht zwischen kernigem Offroad-Einsatz und langen Schotteretappen entscheiden wollen. Ein großer Einzylinder, viel Federweg, moderne Elektronik und ein vergleichsweise niedriges Gewicht von 152 kg ohne Kraftstoff – auf dem Papier bringt dieses Motorrad alles mit, was ein ernstzunehmendes Reise-Enduro-Werkzeug im Gelände braucht. Gleichzeitig erfüllt der überarbeitete LC4-Motor die strengen Euro-5-Vorgaben und bietet nun 79 PS aus 692,7 cm³ Hubraum, ohne seine bekannte, gut dosierbare Leistungsabgabe zu verlieren.
Rahmen, Ergonomie und Fahrwerk für ernsthaftes Gelände

Der pulverbeschichtete Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen ist als Leichtbau ausgelegt und wurde für das Modelljahr 2026 in seiner Steifigkeit angepasst. Die Torsionssteifigkeit und der Längsflex sind so abgestimmt, dass die 701 Enduro präzises Feedback vom Untergrund liefert, statt Schläge unkontrolliert an den Fahrer weiterzureichen. Wer mit Gepäck oder zusätzlichem Zubehör unterwegs ist, profitiert von den neu positionierten Halterungen für den Mittelständer, die den nachträglichen Einbau erleichtern. Der selbsttragende Heckrahmen fungiert gleichzeitig als 13,5-l-Kraftstofftank und sitzt optimal im Schwerpunkt, was der Balance auf schmalen Pfaden und in engen Kehren zugutekommt.
Die Ergonomie zielt klar auf stehendes Fahren im Gelände: Der konifizierte Aluminiumlenker (28/22 mm) und die verlängerte Sitzbank über den Kühlertanks erlauben große Bewegungsfreiheit und variablen Knieschluss. Mit 935 mm Sitzhöhe richtet sich die 701 Enduro an geübte Fahrer, die im Tausch für Bodenkontakt bereit sind, maximale Bodenfreiheit von 265 mm zu akzeptieren – ein Wert, der in felsigen Auffahrten und tiefen Spurrillen schnell geschätzt wird. Die neuen, glatteren Karosserielinien erleichtern das Umsetzen von vorne nach hinten, etwa beim harten Anbremsen oder schnellen Richtungswechseln auf Enduro-Sonderprüfungen.
WP XPLOR: Viel Federweg, fein einstellbar

Vorne arbeitet eine WP XPLOR Upside-Down-Gabel mit 48 mm Standrohrdurchmesser und 265 mm Federweg. Die offene Cartridge-Bauweise mit jeweils einer Feder pro Holm ermöglicht ein sensibles Ansprechverhalten, wie es Enduro-Fahrer schätzen. Druck- und Zugstufe lassen sich oben an den Gabelbeinen getrennt in 30 Klicks einstellen – ein Vorteil für alle, die häufig zwischen schlagigen Waldpassagen, schnellen Schotterwegen und vielleicht auch einmal einem Asphaltstück wechseln. Hinten übernimmt ein WP XPLOR-Federbein mit Pro-Lever-Umlenkung und 250 mm Federweg die Arbeit. Die Offroad-orientierte Umlenkhebel-Geometrie ist auf Traktion und Stabilität ausgelegt, statt nur auf Komfort auf glattem Untergrund.
In Verbindung mit den 21-Zoll-Vorderrädern (90/90–21) und 18-Zoll-Hinterrädern (140/80–18) – jeweils mit Stahlspeichen und Aluminiumfelgen – entsteht ein klassisches Enduro-Layout, das Reifenwahl und Geländetauglichkeit in den Vordergrund stellt. Der Steuerkopfwinkel von 62,3° und der Radstand von 1.506 ± 15 mm sorgen für Laufruhe auf schnellen Etappen, ohne die Handlichkeit in engen Kehren zu opfern. Für Enduro- und Rallye-ähnliche Einsätze ist diese Kombination praxiserprobt und erlaubt sowohl präzises Vorderradgefühl als auch gut kontrollierbares Übersteuern am Hinterrad.
LC4 mit 79 PS: Der Charakter des großen Einzylinders

Der 1-Zylinder-4-Takt-Motor mit 80 mm Hub und 105 mm Bohrung wurde für 2026 noch einmal überarbeitet. Das neugestaltete Kurbelgehäuse reduziert den inneren Luftwiderstand und ermöglicht damit mehr Drehmoment und Spitzenleistung im Vergleich zum Vorgänger. 79 PS (58,1 kW) und 73 Nm Drehmoment sind für ein 152-kg-Motorrad eine Ansage, vor allem wenn die Leistungsabgabe weiterhin linear und gut kontrollierbar bleibt. Die Verdichtung liegt bei 12,7:1, die Gemischaufbereitung übernimmt eine Keihin-Einspritzanlage mit 50-mm-Drosselklappe und Ride-by-Wire.
Der kompakte SOHC-Zylinderkopf mit obenliegender Nockenwelle und vier Ventilen (42 mm Einlass, 34 mm Auslass) setzt auf Kipphebel für präzise Ventilsteuerung auch bei höheren Drehzahlen. Doppelzündkerzen mit individuell gesteuertem Zündzeitpunkt verbessern den Verbrauch und die Verbrennung. Husqvarnas großes Single-Triebwerk ist damit nicht nur kräftig, sondern mit 4,3 l/100 km auch effizient für diese Hubraumklasse. Das Serviceintervall mit Ölwechsel alle 15.000 km unterstreicht den Anspruch, nicht nur sportliche Tagestouren, sondern auch längere Reise-Etappen zuverlässig zu meistern.
Elektronik, Fahrmodi und ein faszinierendes Feature

Die 701 Enduro 2026 nutzt moderne Elektronik, ohne den Charakter einer puristischen Enduro vollständig zu überdecken. Über einen Schalterwürfel am Lenker lassen sich drei Fahrmodi wählen: Street, Offroad und optional Rally. Im Street-Modus stehen ein gut dosierbares Ansprechverhalten und volle Assistenz im Vordergrund, während der Offroad-Modus Gasannahme und Traktionskontrolle auf lose Untergründe anpasst. Das optionale Quickshifter+-System ermöglicht kupplungslose Gangwechsel in allen sechs Gängen, indem zwei Sensoren die Schaltbewegung erkennen und das Drehmoment kurzzeitig reduzieren – eine Erleichterung bei schneller Fahrt im Stehen, wenn der Fokus auf Spurwahl und Balance liegt.
Besonders spannend für sportlich ambitionierte Enduristen ist die dynamische Schlupfanpassung im Rally-Modus. Auf Knopfdruck am TFT-Kombiinstrument wird das MTC-Niveau vorübergehend abgesenkt, um mehr Hinterradschlupf zuzulassen – etwa in tiefem Schlamm, auf nassen Wurzeln oder bei steilen Auffahrten. Sobald wieder Traktion anliegt, kehren Schlupf und Drehmoment automatisch zur zuvor gewählten MTC-Einstellung zurück. Damit kombiniert die 701 Enduro ein hohes Maß an Kontrolle mit jenem spielerischen Übersteuern, das viele Fahrer an leistungsstarken Einzylindern lieben, ohne dabei unnötig Risiko einzugehen.
Bremsen, ABS und Alltagstauglichkeit

Gebremst wird mit Brembo-Komponenten: vorn ein Zweikolben-Schwimmsattel auf 300-mm-Scheibe, hinten ein Einkolben-Schwimmsattel mit 240-mm-Scheibe. Unterstützt wird das Ganze von einem aktuellen Bosch-ABS mit zwei Modi – Straße oder Offroad. Wer im Gelände ganz auf manuelle Dosierung setzt, kann das ABS komplett deaktivieren. Die Kombination aus standfesten Bremsen und fein regelnder ABS-Technik ist insbesondere auf schnellen Schotterpassagen und in wechselnden Gripverhältnissen ein Sicherheitsplus.
Die Auspuffanlage mit Primär- und Endschalldämpfer aus Edelstahl wurde ebenfalls überarbeitet. Zwei Lambdasonden und ein in den Krümmer verlegter Katalysator sorgen dafür, dass die 701 Enduro ihre Emissionswerte einhält. Gleichzeitig ist das System so ausgelegt, dass der Schalldämpfer für leistungsorientierte Zubehörlösungen schnell und einfach getauscht werden kann – ein Detail, das viele sportliche Fahrer begrüßen werden. CO₂-Emissionen von 98 g/km sind für ein derart leistungsstarkes, großvolumiges Einzylinder-Endurobike ein respektabler Wert.
TFT, Konnektivität und Langstreckenkomfort

Auf längeren Touren macht sich die moderne Cockpit-Ausstattung bezahlt. Das 4,2-Zoll-TFT-Farbdisplay mit blendfreiem Siebglas ist im Aluminiumlenker integriert und stellt alle wichtigen Informationen klar dar, von Geschwindigkeit und Drehzahl bis hin zu Fahrmodi und Assistenzsystemen. Unterhalb des Displays sitzt eine gut zugängliche USB-C-Buchse, mit der Navigationsgeräte oder Smartphones während der Fahrt geladen werden können. Über die Kopplung mit der Ride-Husqvarna-App lassen sich Anrufe und Musik direkt steuern; TURN-BY-TURN+ Navigation liefert Abbiegehinweise ins Display – ein Komfortgewinn, gerade wenn abgelegene Schotterwege oder lange Verbindungsetappen anstehen.
In Summe positioniert sich die Husqvarna 701 Enduro 2026 als moderne, große Reise-Enduro mit echtem Offroad-Fokus. Der steife Gitterrohrrahmen, das voll einstellbare WP XPLOR-Fahrwerk und die fein justierbare Elektronik treffen auf einen starken, sparsamen LC4-Motor mit langen Serviceintervallen. Für Fahrer, die lange Distanzen mit echtem Geländeeinsatz kombinieren wollen, bietet dieses Motorrad ein außergewöhnlich breites Einsatzspektrum – vom täglichen Pendelweg über Wochenend-Endurotouren bis hin zu anspruchsvollen Mehrtagestrips im Grobschotter.
FAQ
1) Für wen ist die Husqvarna 701 Enduro 2026 wirklich gemacht – eher Reise oder eher Sport?
Die 701 Enduro 2026 richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die Offroad-Fahrbarkeit ernst nehmen, aber nicht auf Tourentauglichkeit verzichten wollen. Das zeigt sich an der Kombination aus niedrigem Gewicht (152 kg ohne Kraftstoff), sehr langem Federweg, stabiler Geometrie und gleichzeitig moderner Ausstattung wie TFT, USB‑C und Fahrmodi. Für reine Hard-Enduro-Passagen ist sie groß und hoch, für reine Straßenreisen ist sie kompromissloser als eine typische Adventure-Bike. Ihre Stärke liegt dazwischen: lange Schottertage, Rallye-ähnliche Etappen und Mehrtagestouren, bei denen Geländeanteil und Reichweite gleichermaßen zählen.
2) Was bringen die Fahrmodi (Street/Offroad/Rally) in der Praxis – und wann nutze ich welchen?
Die Fahrmodi sind weniger „Spielerei“ als ein Werkzeug, um das Motorrad an Untergrund und Fahrstil anzupassen. Street ist sinnvoll auf Asphalt und griffigen Wegen, wenn du eine saubere Gasannahme und volle Assistenz wünschst – etwa bei Nässe oder in der Stadt. Offroad passt Traktionskontrolle und Gasreaktion an losen Boden an, damit das Hinterrad nicht ständig überdreht und du mehr Ruhe im Fahrwerk hast. Rally ist für sportliches Fahren gedacht: Mehr Schlupf und die kurzfristige Absenkung des MTC-Niveaus helfen, das Bike kontrolliert zu drehen, ohne Kontrolle zu verlieren.
3) Ist die 701 Enduro 2026 trotz hoher Sitzhöhe und Einzylinder-Vibrationen langstreckentauglich?
Langstrecke funktioniert mit der 701 Enduro 2026 gut – aber auf eine „Enduro-Art“. Die hohe Sitzhöhe (935 mm) und die auf stehendes Fahren ausgelegte Ergonomie sind perfekt, wenn lange Offroad-Etappen anstehen, können im Stop-and-Go oder beim Rangieren aber fordernd sein. Der überarbeitete LC4 bietet viel Leistung bei gleichzeitig moderatem Verbrauch (4,3 l/100 km) und langen Serviceintervallen (Ölwechsel alle 15.000 km), was Reisen erleichtert. Für maximale Reisetauglichkeit lohnt sich meist Zubehör wie Gepäcklösungen, ein Windschild und ggf. eine angepasste Sitzbank.

