Mit der RR 4T Race 350–480 Modelljahr 2026 zielt Beta klar auf Fahrer, die ihr Enduro-Bike weniger als Freizeitgerät und mehr als sportliches Werkzeug sehen. Die Race-Versionen der RR-Baureihe gelten traditionell als jene Modelle, bei denen alles Überflüssige geopfert wurde, um auf abgesperrter Strecke, im Enduro-Special oder auf langen Hard-Enduro-Runden das letzte Quäntchen Performance herauszuholen. Vier Hubraumvarianten – 350, 390, 430 und 480 cm³ – decken dabei das gesamte Spektrum vom technisch versierten Singletrack-Jäger bis zum kräftigen Langhub-Motor für schnelle Prüfungen ab.
Vier Hubräume für unterschiedliche Enduro-Charaktere
Die Basis ist bei allen Versionen gleich: ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor im Molybdän-Stahlrahmen mit Doppelwiegen-Konstruktion, der sich klar an den Bedürfnissen des sportlichen Enduroeinsatzes orientiert. Die 350er mit 349,1 cm³ und kurzer 57,4-mm-Hubcharakteristik spricht Fahrer an, die einen drehfreudigen Motor für enge, technische Sektionen bevorzugen. Die 390er (385,6 cm³) mit längerem 63,4-mm-Hub legt den Schwerpunkt stärker auf Traktion aus dem Drehzahlkeller, ohne ihre Drehfreude völlig zu verlieren.

Die 430er mit 430,9 cm³ und 60,8-mm-Hub trifft einen klassischen Enduro-Sweetspot: genug Druck, um auch auf schnellen Wiesenprüfungen mitzuhalten, aber noch kein brachialer Big-Bore-Charakter. Die 480er schließlich mit 477,5 cm³ richtet sich an Piloten, die auf offenen Sonderprüfungen, Aufwärtssektionen mit viel Grip und längeren Rallye-Etappen unterwegs sind und einen Motor mit kräftigem, elastischem Drehmomentverlauf schätzen. Die Verdichtungsverhältnisse liegen je nach Hubraum zwischen 11,86:1 (480) und sportlichen 13,19:1 (350), was einen klaren Fokus auf unmittelbare Gasannahme und Effizienz bedeutet.
Chassis-Geometrie: Stabilität trifft Wendigkeit
Die Rahmenkonstruktion aus Molybdän-Stahl mit geteiltem Doppelwiegenrahmen oberhalb des Auslasskanals zielt auf eine präzise Balance aus Steifigkeit und Flexibilität. Die kompakte Silhouette sorgt für Ergonomie auf langen Endurorunden. Der Radstand variiert leicht: 1,476 m für die 350er, 1,480 m für 390, 430 und 480. In der Praxis bedeutet das, dass die kleineren Hubräume minimal wendiger in engen Kehren wirken, während die stärkeren Varianten von etwas mehr Geradeauslauf bei hohem Tempo profitieren.
Für Enduro-Fahrer, die regelmäßig zwischen wurzeligen Singletrails, ausgefahrenen Tests und Verbindungsetappen wechseln, ist genau diese Abstimmung entscheidend. Das Chassis soll genug Vertrauen beim Highspeed-Abschuss auf der Sonderprüfung geben und gleichzeitig auf rutschigen, verblockten Auffahrten nicht wie ein sturer Hardenduro-Panzer wirken.
Kayaba-Fahrwerk: das Herzstück der Race-Version
Das faszinierendste Detail der RR 4T Race 350–480 MY 2026 ist das Fahrwerkspaket. Vorne arbeitet eine Kayaba-AOS-Patronengabel, deren intern eloxierte Bauteile die Reibung reduzieren sollen. Das Ergebnis: ein sensibleres Ansprechverhalten, gerade auf kleinsten Schlägen, und bessere Rückmeldung auf Wurzeln, Steine und Querfurchen. Zug- und Druckstufe lassen sich extern einstellen, was es ambitionierten Fahrern erlaubt, das Setup exakt auf Bodenbeschaffenheit und Fahrstil abzustimmen.
Hinten übernimmt ein Kayaba C46 RCU Monofederbein die Arbeit. Es bietet getrennt einstellbare High- und Low-Speed-Druckstufe sowie die Zugstufe. Diese Trennung ist für Rennfahrer und erfahrene Enduristen besonders interessant: Schläge von schnellen Bremswellen oder Kanten lassen sich anders dämpfen als langsame Einfederbewegungen beim Anbremsen oder in tiefen Spurrillen. Wer gerne an seinem Setup feilt, findet hier ein Fahrwerk, das sich nicht mit einem groben Kompromiss zufriedengibt, sondern auf präzise Feinabstimmung ausgelegt ist.
Details für die Renntauglichkeit im Alltag
Ergänzt wird das Paket durch eine Reihe durchdachter Racing-Details, die im harten Einsatz den Unterschied machen. Die schnell lösbare Vorderradachse mit rot eloxiertem Hebel ermöglicht besonders zügige Radwechsel – ein klarer Vorteil, wenn im Rennbetrieb auf wechselnde Bodenverhältnisse reagiert werden muss oder im Servicepark noch schnell das Vorderrad getauscht werden soll. Die rot eloxierten Ergal-Kettenspanner aus hochfestem Aluminium legen den Fokus auf Haltbarkeit und präzise Ketteneinstellung, was gerade bei langen Renntagen mit viel Dreck und Schmutz von Bedeutung ist.

Ebenfalls auf Racing getrimmt sind die schmaleren Ergal-Fußrasten mit auswechselbaren Stahlpins. Mehr Bodenfreiheit und ein sicherer Stand bei Nässe und Matsch sind hier die Schlüsselbegriffe. Durch die schmalere Kontur lässt sich der Fuß leichter versetzen, was vor allem in engen Kurven, Rillen oder technischen Sektionen mehr Bewegungsfreiheit bietet. Wer einmal mit stumpfen Serienrasten im nassen Wurzelteppich unterwegs war, weiß, wie viel Vertrauen griffige Racing-Fußrasten vermitteln können.

Elektronik mit Map- und Traktionskontrolle
Die Elektronik bleibt angenehm überschaubar, ist aber auf den Einsatz im Wettbewerb zugeschnitten. Über einen am Lenker montierten Taster, im Lenkerpolster integriert, lassen sich unterschiedliche Motor-Mappings anwählen. Bei den Viertaktvarianten kommt zudem eine zuschaltbare Traktionskontrolle ins Spiel. Diese Kombination erlaubt es, den Charakter des Motors schnell an die Bedingungen anzupassen: aggressivere Kennfelder für griffigen Boden und schnelle Sonderprüfungen, sanftere Abstimmung mit Unterstützung der Traktionskontrolle für nasse Wurzeln, steinige Aufwege oder tiefe Spurrillen.

Wer regelmäßig zwischen Training, Rennen und gelegentlichen Ausfahrten wechselt, wird den schnellen Zugriff auf diese Funktionen zu schätzen wissen. Statt lange in Untermenüs oder versteckten Schaltern zu suchen, reicht ein Griff zum Map-Button und die RR 4T Race passt sich spontan an den nächsten Abschnitt an. Das ist nicht spektakulär im Showroom, macht aber im hektischen Rennalltag einen sehr praktischen Unterschied.
Racing-Optik und Zielgruppe
Abgerundet wird das Gesamtbild durch eine konsequent sportliche Grafikgestaltung, die die Race-Modelle klar von den Standard-RR-Versionen absetzt. Die Linienführung und die Racing-Livery lassen keinen Zweifel daran, dass diese Modelle für ernsthaften Einsatz gedacht sind und nicht nur als optisch aufgebrezelte Freizeitmotos auftreten. Die kompakte Silhouette erleichtert das Umsetzen des Gewichts, schnelles Aufstehen im Stehen-Fahren und das Versetzen des Hinterrads in engen Kehren.
Damit positioniert sich die Beta RR 4T Race 350–480 MY 2026 klar bei Endurofahrern, die Rennluft schnuppern oder bereits regelmäßig an Meisterschaften, Pokalläufen oder Hard-Enduro-Events teilnehmen. Die Kombination aus fein einstellbarem Kayaba-Fahrwerk, aufgeräumter Elektronik mit Map- und Traction-Control-Schalter, praxisnahen Racing-Details und klarer Motorenabstufung vom drehfreudigen 350er bis zum durchzugsstarken 480er richtet sich an diejenigen, die ein Bike suchen, das ab Werk möglichst wenig Kompromisse eingeht – und damit auf der Endurostrecke genau dort zu Hause ist, wo andere Modelle an ihre Grenzen stoßen.
Bilder: Hersteller
FAQ
1) Welche Hubraumvariante passt am besten zu meinem Fahrstil: 350, 390, 430 oder 480?
Die Wahl hängt davon ab, wo du fährst und wie du Leistung abrufst. Die 350er ist ideal für enge, technische Sektionen mit einem drehfreudigen Motor. Die 390er bietet mehr Traktion untenrum als Kompromiss. Die 430er trifft den Sweetspot zwischen Druck und Kontrolle für gemischte Prüfungen. Die 480er passt zu offenen, schnellen Strecken mit kräftigem Drehmoment.
2) Was bringt das Kayaba-Fahrwerk der Race-Version im Vergleich zu „normalen“ Setups wirklich?
Es geht um mehr Kontrolle bei höherem Tempo und bessere Rückmeldung auf unruhigem Untergrund. Die Kayaba-AOS-Gabel reagiert sensibler auf kleine Schläge durch reibungsärmere Bauteile, mit externen Einstellern für Zug- und Druckstufe. Das Kayaba-C46-RCU-Federbein bietet getrennte High- und Low-Speed-Druckstufe, was Feintuning für harte Kanten oder langsame Bewegungen ermöglicht – ein Vorteil für Rennfahrer.
3) Wie sinnvoll sind Map-Button und Traktionskontrolle im echten Enduro-Alltag?
Die Elektronik dient der schnellen Anpassung an wechselnde Bedingungen, wie von griffigem Boden zu nassen Wurzeln. Der Map-Button wechselt das Motorverhalten unkompliziert, und die Traktionskontrolle sorgt für gleichmäßigen Vortrieb in heiklen Passagen. Das spart Kraft und reduziert Fehler auf langen Runden, besonders für Fahrer, die nicht jedes Setup perfekt treffen.

