Elektrische Enduro für Fahrer, die Trails ernst nehmen
Die Apollo RFN Ares Rally gehört zu jener neuen Generation von Elektro-Enduros, die zeigen, wie weit sich das Segment in kurzer Zeit entwickelt hat. Statt Kompromissen zwischen Reichweite, Leistung und Fahrwerk bringt dieses Bike ein klares Paket mit: Offroad-Fokus, kräftiger elektrischer Antrieb und ein Fahrwerk, das eher an ausgewachsene Enduros als an „E‑Spielzeug“ erinnert. Wer von Verbrenner-Enduros kommt und sich fragt, ob ein E‑Bike wirklich im harten Gelände bestehen kann, findet hier eine deutliche Antwort.
Im Zentrum steht ein permanentmagneterregter Synchronmotor mit 5 kW Nennleistung und bis zu 12,5 kW Spitzenleistung. In der Praxis bedeutet das genug Punch für steile Auffahrten, tiefen Sand und wurzelige Trails, ohne dass das Hinterrad permanent durchdreht. Das Drehmoment am Motor liegt bei rund 69 Nm, am Hinterrad bei rund 364 Nm – Werte, die man beim Anfahren auf losem Untergrund sofort spürt. Die Kraft gelangt über einen Direktantrieb mit Kette und großem 58er-Ritzel ans Hinterrad; Übersetzung und Charakter sind klar offroad-orientiert.
Reichweite, Fahrmodi und Akku: Alltagstauglich für lange Offroad‑Runden
Der Akku arbeitet mit ca. 72 V Nennspannung und nutzt – je nach Ausführung – 18650‑ bzw. 21700‑Lithiumzellen; in der 43‑Ah‑Variante kommen 18650‑Zellen zum Einsatz. Das Paket liegt je nach Version bei ca. 2,5 bis rund 2,6 kWh. In Kombination mit dem effizienten Antrieb ergibt sich eine praxisnahe Reichweite von bis zu etwa 140 km (Herstellerangabe). Konkreter: Im „Turtle“-Modus sind bei auf 45 km/h limitierter Geschwindigkeit rund 96 km drin, im „Rabbit“-Modus stehen etwa 50 km bei ca. 78 km/h Topspeed an – Werte, die eine gute Orientierung für Tourenplanung und Training geben.
Spannend ist die Abstufung der Fahrmodi, die über das übliche Eco/Sport-Schema hinausgeht. Im „Turtle“-Modus ist die Ares Rally auf etwa 45 km/h begrenzt und kommt auf Distanzen um die 96 km – ideal für technische, langsame Passagen oder zum Akku sparen. Der „Rabbit“-Modus öffnet die Leistung für rund 78 km/h Topspeed bei alltagstauglicher Reichweite. Richtig eindrucksvoll wird es im „Rocket“-Modus: Hier stehen für den Start aus dem Stand besonders hohe Ströme an, was sich in brutalem Antritt und direkter Gasannahme niederschlägt; der Modus ist nicht zeitlich begrenzt und damit für kurze Sprintstücke oder MX‑Sektionen reizvoll. Dazu kommt ein Rückwärtsmodus (auf etwa 9 km/h begrenzt), der im engen, verblockten Gelände tatsächlich hilfreich ist.
Geladen wird mit einem externen Schnellladegerät, das an normale 100–240‑V‑Haushaltsnetze passt. Je nach Konfiguration sind Ladezeiten von etwa 2–3 Stunden von 0 auf 100 Prozent drin, auf 80 Prozent geht es teilweise noch schneller. Für den Einsatzzweck bedeutet das: Vormittags eine intensive Offroad-Session, mittags laden, nachmittags wieder in den Wald – ohne Spezialinfrastruktur.
Fahrwerk und Chassis: Eher Enduro als übergroßes E‑Bicycle
Beim Rahmen setzt die RFN Ares Rally auf eine Konstruktion aus 6082‑Aluminium, teils stranggepresst, teils geschmiedet. Der Hinterbau ist ebenfalls aus geschmiedetem Aluminium gefertigt und modular aufgebaut, was Umbauten und Wartung erleichtert. Die Geometrie orientiert sich klar am Enduro-Einsatz, Sitzhöhe um die 86 cm und ein stabiler Radstand vermitteln das Gefühl eines „echten“ Motorrads und nicht eines hochgezüchteten E‑MTB.
Vorn arbeitet eine Upside-down-Luftgabel mit etwa 200 mm Federweg und kräftigen 45–48‑mm‑Standrohren. Wichtig für sportliche Fahrer: Zug- und Druckstufe sind einstellbar, dazu kommen Doppelbrücken-Gabelbrücken, die der Front Steifigkeit geben. Hinten gibt es einen rund 240 mm langen Mono-Federdämpfer mit einstellbarer Zug- und Druckstufe sowie Federvorspannung; das ergibt je nach Umlenkung rund 150–180 mm Hinterradfederweg. Für Enduro- und Cross-Country-Einsatz ist das ein praxisnahes Paket, das Reserven für Sprünge, Wellen und harte Landungen bereithält, ohne dabei zu hart für längere Touren zu wirken.
Bei den Laufrädern geht RFN einen konsequenten Offroad-Weg: Vorn 19 Zoll, hinten 18 Zoll, kombiniert mit verstärkten Aluminiumfelgen und geraden Speichen (Straight Pull). Das bringt Stabilität bei moderatem Gewicht – genau das, was man haben möchte, wenn man das Bike über Felsen und Wurzeln prügelt. Bereift ist die Ares Rally mit Offroad- bzw. Dual-Sport-Reifen in 70/100‑19 vorn und 90/100‑18 hinten, die auf Enduro-Tracks und schottrigen Forstwegen Traktion liefern und dennoch nicht völlig auf der Straße versagen.
Faszinierendes Detail: Das wandelbare Konzept der Ares Rally
Die vielleicht spannendste Eigenschaft der RFN Ares Rally ist ihr wandelbares Konzept. Das Chassis ist so konzipiert, dass sich das Motorrad werkzeuglos beziehungsweise mit minimalem Aufwand von einem eher komfortablen Enduro-Setup in eine aggressivere, „rallyeartig“ straffe Konfiguration verwandeln lässt. Dazu zählen verstellbare Lenker- und Fußrastenpositionen, unterschiedliche Sattelkonfigurationen sowie die Möglichkeit, die Federung straffer auf schnelle Pisten oder lockerer auf technische Trails abzustimmen.
Für Fahrer, die mit einem einzigen Motorrad verschiedene Szenarien abdecken wollen – vom Waldtrail über die Cross-Strecke bis hin zur schnellen Schotterstraße – ist das ein echter Mehrwert. Statt mehrere Bikes vorzuhalten oder sich mit Kompromissen im Setting zu arrangieren, lässt sich die Ares Rally je nach Terrain anpassen. Dieser modulare Ansatz hebt sie von vielen Konkurrenten ab, die weniger Spielraum bei Ergonomie und Setup bieten.
Auch das Thema Bremsen ist auf sportlichen Einsatz ausgelegt: Vorn und hinten kommen hydraulische Scheibenbremsen mit vier Kolben und groß dimensionierten Scheiben (um 210 mm) zum Einsatz. Zusammen mit der Motor-Rekuperation ergibt sich eine kontrollierbare Verzögerung, die auf langen Abfahrten im Geröll ebenso überzeugt wie beim Anbremsen von Sprüngen.
Fazit: Moderne E‑Enduro mit ernsthaftem Offroad‑Anspruch
Die Apollo RFN Ares Rally ist kein Spielzeug für den Campingplatz, sondern eine ernstzunehmende elektrische Enduro für Fahrer, die im Gelände wirklich etwas vorhaben. Das Zusammenspiel aus kräftigem Antrieb, großer Batterie und einem voll einstellbaren Fahrwerk zielt klar auf sportlich ambitionierte Offroad-Fans. Die abgestuften Fahrmodi, der Reverse-Gang für enge Passagen und das modulare Konzept des Chassis machen sie vielseitiger als viele Wettbewerber im E‑Dirtbike-Segment.
Besonders reizvoll ist, dass sich dieses Motorrad trotz seines elektrischen Antriebs sehr „motorradtypisch“ anfühlt: Ergonomie, Radgrößen, Federwege und Bremsen sind klar an klassischen Enduros orientiert. Wer bisher skeptisch war, ob ein Elektro-Offroader die gewohnte Performance liefern kann, findet in der RFN Ares Rally ein überzeugendes Gegenargument – leise, aber alles andere als zurückhaltend.
Bilder: Hersteller
FAQ
1) Für wen ist die Apollo RFN Ares Rally geeignet – und ersetzt sie eine Verbrenner‑Enduro wirklich?
Die Ares Rally richtet sich an Fahrer, die Offroad ernst nehmen und dabei die Vorteile eines E‑Antriebs nutzen wollen: sofortiges Drehmoment, leiser Betrieb und weniger „Nebenarbeit“ wie Kupplung/Schaltvorgänge. Sie kann eine Verbrenner‑Enduro vor allem dort ersetzen, wo kurze bis mittellange Sessions dominieren: Training, Feierabendrunde, MX‑Strecke, Singletrails. Wer sehr lange Tagestouren ohne Ladepause fährt oder in Regionen unterwegs ist, in denen Laden unmöglich ist, muss realistischer planen. Im Gelände liefert sie aber eindeutig endurotypisches Gefühl durch Geometrie, Federwege und Radgrößen.
2) Wie realistisch sind Reichweite und Ladezeiten in der Praxis, und wie helfen die Fahrmodi dabei?
Die maximale Reichweite liegt herstellerseitig bei bis zu ca. 140 km. Realistisch hängt sie stark von Tempo, Gelände und Modus ab: „Turtle“ eignet sich für langsame, technische Passagen und zum Akkusparen (bei 45 km/h rund 96 km), „Rabbit“ ist der Allround‑Modus für zügige Trails (bei ca. 78 km/h etwa 50 km), und „Rocket“ liefert maximale Punch‑Reserven für Sprintstücke oder MX‑Abschnitte. Geladen wird über ein externes Ladegerät an Haushaltsstrom; mit rund 2–3 Stunden auf 100% lässt sich ein Tag gut in zwei Sessions aufteilen.
3) Was macht Fahrwerk, Chassis und Setup‑Verstellung so wichtig – und worauf sollte man beim Einstellen achten?
Im harten Gelände entscheidet weniger die Peak‑Leistung als die Kontrolle: Traktion, Stabilität und sauberes Feedback. Genau dafür sind der stabile Alu‑Rahmen, die langen Federwege (vorn ca. 200 mm, hinten je nach Umlenkung ca. 150–180 mm) und die einstellbare Dämpfung zentral. Die Ares Rally wirkt dadurch eher wie eine „echte“ Enduro als wie ein großes E‑Bike. Beim Setup lohnt es, zuerst Sag/Federvorspannung korrekt einzustellen und dann Zug‑/Druckstufe schrittweise anzupassen: weich und kontrolliert für Wurzeln/Steine, straffer für schnelle Pisten und Sprünge. Die verstellbare Ergonomie hilft zusätzlich, das Bike auf Körpergröße und Fahrstil zu trimmen.


