Rennsport als Entwicklungslabor für die XE 300
Wer eine sportliche Enduro im 300er-Zweitaktsegment sucht, kommt an der Fantic XE 300 des Modelljahres 2026 kaum vorbei. Das Motorrad wurde technisch und optisch überarbeitet, mit Fokus auf ambitionierte Endurofahrer – von Vereinstreffen bis harten Etappen im Geröll. Fantic überträgt Input aus dem Wettbewerb direkt auf das Serienbike. Kevin Cristino holte den italienischen Junioren-Titel, Matteo Pavoni gewann die 300er-Klasse, und bei den Six Days in Bergamo führte Cristino die italienische Mannschaft zum Sieg in der Junior Trophy. Ergänzt wird das durch Silber für Benjamin Semb und Albin Norrbin in der World Trophy. Diese Erfolge zeigen, dass die XE 300 im realen Rennalltag funktioniert.

Neuer Motor: mehr Druck, mehr Bandbreite, Euro 5+
Herzstück ist der überarbeitete Minarelli-MM300-Zweitaktmotor mit 293 cm³ Hubraum. Trotz Euro-5+-Homologation zielt er auf maximale Performance über das Drehzahlband. Doppel-Injector-Einspritzung, elektronisch gesteuertes Auslassventil und neuer 300-ccm-Zylinder mit angepasstem Resonanzkörper sorgen für mehr Drehmoment unten und mittig, ohne Spitzenleistung zu mindern. Enduro-Fahrer in verblocktem Gelände profitieren von besserer Traktion und kontrollierbarem Ansprechverhalten. Die Zylinderkopfform mit reduziertem Verdichtungsverhältnis (11:1) und angepasster Quetschkante macht die Verbrennung effizienter. Optimiert wurden Zylinderhöhe, Kanäle, Überströmer und Reed-Box für bessere Motoratmung. Das Auspuffsystem passt dazu und zielt auf nutzbare Leistung.


Faszinierendes Detail: das überarbeitete Auslassventil
Das neue elektronische Auslassventil arbeitet mit einer geschmiedeten Stahl-Guillotine und leichteren Komponenten. Es verspricht präziseres Öffnen und Schließen, weniger Reibung und stabile Funktion bei langen Prüfungen oder extremen Temperaturen. Für den Fahrer bedeutet das feinere Dosierung des Zweitakt-Kicks und berechenbaren Übergang zur vollen Leistung. In Aufwärtssektionen mit losem Untergrund kann früher beschleunigt werden, ohne übermäßiges Durchdrehen. Die neue SBS-Steuereinheit reduziert internes Spiel für mehr Präzision und Haltbarkeit. Zusammen mit einer Kurbelwelle aus neuen Werkstoffen gibt das dem Zweitakter eine zuverlässige Basis.
Fahrwerk und Chassis: bekanntes Konzept, fein geschärft

Das Fahrwerk basiert auf einem Aluminium-Semi-Doppelschleifen-Rahmen für Steifigkeit und geringes Gewicht. Mit 107 kg fahrfertig (ohne Kraftstoff) passt es ins E2-Enduro-Segment. Radstand von 148,5 cm, Lenkkopfwinkel von 27,7 Grad und 122 mm Nachlauf bieten Stabilität bei Tempo und Handlichkeit in Kehren. Vorn eine voll einstellbare KYB-SSS-Gabel mit 48 mm Standrohr und 300 mm Federweg, hinten ein KYB-Federbein mit 315 mm Federweg an einer Aluminium-Schwinge. 21-Zoll-Vorderrad mit 90/90-Bereifung und 18-Zoll-Hinterrad mit 140/80-Pneu sind endurotypisch. Bremsen: 270-mm-Scheibe vorn, 240 mm hinten.


Ergonomie und Design: schlank, aggressiv, funktional
Die Ergonomie orientiert sich an Wettbewerbsmaschinen, mit maximalem Bewegungsspielraum für den Fahrer. Schmale Verkleidung, integrierte Tanks und zugänglicher Luftfilter erleichtern Wartung. Mit 97 cm Sitzhöhe eignet sie sich für größere oder erfahrene Fahrer, die Bodenfreiheit schätzen. Die neue LED-Scheinwerfereinheit und MY26-Grafiken geben einen aggressiven Look. Das leichtere Frontlicht reduziert die Masse am Vorderbau und kann die Lenkpräzision verbessern.

Elektronik, Mapping und Alltagstauglichkeit
Die XE 300 hat umfangreiche Elektronik: Mapping-Schalter am Lenker für härteres oder weicheres Kennfeld, anpassbar an Untergrund und Ermüdung. Mehrstufige Traktionskontrolle hilft auf nassen oder glitschigen Flächen. Wasserdichter Kabelbaum und neu positionierte ECU schützen vor Feuchtigkeit. Der neue Drehstromgenerator mit Lithium-Batterie sorgt für stabile Versorgung und schnelle Starts. Getrennte Ölschmierung erspart das Vormischen; das Getriebe fasst 0,8 l Öl.

Technische Daten und Zielgruppe der XE 300
Gesamtlänge 2,20 m, Breite 82,5 cm – kompakt für Endurotests, stabil bei Geschwindigkeit. 9,0-l-Tank für Prüfungen und Etappen, Vielfahrer planen Stopps. Fünfgang-Getriebe mit Traktion unten und Reserven oben. Nasse Mehrscheibenkupplung mit hydraulischer Betätigung bietet leichtes Hebelgefühl. Die XE 300 richtet sich an Fahrer, die einen modernen, sportlichen Zweitakter für aktive Geländefahrten suchen.

Der offizielle Listenpreis ist auf der Fantic-Website nicht ausgewiesen.
Bilder: Hersteller
FAQ
1) Für wen ist die Fantic XE 300 (MY26) die richtige Wahl – und für wen eher nicht?
Sie passt zu sportlichen Endurofahrern, die ein leichtes Zweitakt-Bike für enge Kehren, Geröll und Sonderprüfungen wollen. Von 4-Taktern kommend schätzt man den Charakter und das Gewicht, muss aber das direkte Ansprechen mögen. Weniger ideal für Tourenfahrer, die Laufruhe und Komfort suchen. Kleinere Fahrer könnten die 97 cm Sitzhöhe fordern, profitieren aber von der schlanken Bauweise.
2) Was bringt der neue Euro-5+-konforme Motor in der Praxis – spürt man das wirklich im Gelände?
Ja, besonders im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Doppel-Injector und elektronisches Auslassventil sorgen für kontrollierbares Herausziehen aus Kurven oder über Stufen, mit weniger Kupplungseinsatz. Es geht um nutzbare Bandbreite: mehr Traktion, weniger Durchdrehen und besser dosierbares Beschleunigen auf losem Untergrund. Der Zweitakt-Charakter bleibt erhalten, nur moderner abgestimmt.
3) Welche Features helfen wirklich im Alltag (Wartung, Zuverlässigkeit, Einstellen) und welche sind eher „Nice to have“?
Praktisch sind getrennte Ölschmierung, wasserdichter Kabelbaum und neu positionierte ECU – reduziert Probleme bei Regen und Schlamm. Der Mapping-Schalter erlaubt schnelle Anpassung an Bedingungen. Traktionskontrolle ist nützlich im Wettbewerb, z.B. auf nassen Wurzeln. Zugängliche Komponenten sparen Zeit bei Wartung.


