Elektro-Enduros haben lange mit zwei Vorurteilen zu kämpfen: zu schwer und zu wenig Reichweite. Mit der Radian EXR tritt ein Bike an, das diese Punkte adressiert. 70 PS Spitzenleistung, 1.060 Nm Drehmoment am Hinterrad und ein Zielgewicht von 125 Kilogramm (mit Endurance-Pack) stehen für ein ernstzunehmendes Sportgerät für Enduro- und Motocross-Fahrer.
Radian EXR: Elektro-Enduro mit Rennfokus

Im Zentrum der Radian EXR arbeitet ein eigens entwickelter Internal-Permanent-Magnet-Motor mit carbonummanteltem Rotor. Er dreht bis zu 14.000 Umdrehungen pro Minute und wird von einem 336-Volt-Antriebssystem gespeist. Ein Getriebe gibt es nicht, die Kraft geht direkt ans Hinterrad. Die Leistung ist bewusst auf 70 PS begrenzt.
Im technischen Gelände zählt weniger die absolute Leistung als ein fein dosierbarer Schub aus jeder Verzögerung heraus. Hier kommt das hohe Drehmoment am Hinterrad zum Tragen. Weniger bewegte Teile als bei einem Verbrennungsmotor reduzieren das Risiko mechanischer Defekte.
InfiniPack: Akkuwechsel statt Ladepause
Das InfiniPack-Batteriesystem besteht aus zwei gebogenen Modulen, die im Rahmenbogen sitzen.

Akku in 30 Sekunden wechseln
Die Module lassen sich ohne Werkzeug in unter 30 Sekunden von einer Person wechseln. Mit dem Endurance-Pack (2 × 4,3 kWh) liegt die Reichweite laut Hersteller bei etwa 60 bis 115 Kilometern, abhängig von Tempo und Gelände. Ein leichteres Sprint-Pack mit 5,8 kWh soll künftig verfügbar sein.
InfiniDock und Lademöglichkeiten für den Alltag
Das InfiniDock kann zwei Module gleichzeitig laden. Das integrierte Ladegerät leistet 3,3 kW; ein Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent dauert rund 90 Minuten. Die Box ist transportabel und wiegt etwa 8 Kilogramm.


Zusätzlich sind ein optionales Onboard-Ladegerät und ein CCS-Modul für das Laden an CCS-Anschlüssen vorgesehen. Das Laden außerhalb des Motorrads reduziert die Wärmebelastung am Fahrzeug.
Smart Storage, Connectivity und Wartung
Stauraum unter der Sitzbank
Unter dem Sitz befindet sich ein etwa 7 Liter großer Stauraum. Dort können Werkzeug, Ersatzteile oder die optionalen Lade-Module untergebracht werden. 3D-druckbare Vorlagen sollen individuelle Organizer ermöglichen.


Over-the-Air-Updates sollen neue Funktionen und Optimierungen ermöglichen. Typische Wartungsarbeiten eines Verbrenners entfallen weitgehend. Übrig bleiben vor allem Reifen, Bremsen, Lager und Fahrwerk.
Fahrwerk, Chassis und Bedienung im Gelände
Das Fahrwerk stammt von KYB und ist auf den Offroad-Einsatz abgestimmt. Ein Aluminiumrahmen nimmt Akku und Motor auf und dient zugleich als Kühlkörper. Die patentangemeldete radiale Motoraufnahme soll die Torsionssteifigkeit erhöhen.

Bremsen von Brembo sollen eine reproduzierbare Verzögerung liefern. Eine elektronische Rückwärtsgangfunktion erleichtert das Rangieren.
Design, Homologation und Zielgruppe
Motocross-Optik, Enduro-Realität
Die Radian EXR wirkt optisch schlank. Eine flache Lampenmaske mit dualen LED-Strahlern sorgt für Licht auf dem Singletrail. Der Stauraum und das reduzierte Display sind auf den praktischen Einsatz ausgelegt.


Die Maschine ist von Beginn an für eine Straßenzulassung konzipiert. Fahrprofile, unter anderem für MX und SM, sind vorgesehen. Die Markteinführung in ausgewählten Märkten ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen. In Deutschland wird ein Einstiegspreis von rund 14.450 Euro genannt.
FAQ
1) Wie löst die Radian EXR das typische Reichweiten- und Ladezeitproblem von Elektro-Enduros?
Die Radian EXR setzt auf das InfiniPack-System mit zwei austauschbaren Modulen. Diese können in unter 30 Sekunden gewechselt werden. Während das Motorrad weitergefahren wird, lädt ein zweites Set parallel über das mobile InfiniDock.
2) Was bedeuten 70 PS und 1.060 Nm am Hinterrad in der Praxis?
Entscheidend ist weniger der Spitzenwert als die direkte Verfügbarkeit des Drehmoments. Ohne Getriebe und Kupplung kann die Kraft unmittelbar abgerufen werden. Die Leistung ist bewusst auf 70 PS begrenzt, um die Maschine im Gelände beherrschbar zu halten.
3) Für wen lohnt sich die Radian EXR?
Die Maschine richtet sich an sportlich orientierte Enduro- und Motocross-Fahrer. Typische Verbrenner-Wartung entfällt weitgehend. Reichweite und Nutzen des Wechselsystems hängen jedoch von der Verfügbarkeit von Ersatzmodulen ab.
Bilder: Hersteller


