SWM RS 300 R: Italienischer Enduro-Geheimtipp im Detail

Die SWM RS 300 R fällt in eine Kategorie, die viele Enduro-Fans lieben: kompromisslose Offroad-Bikes, die eher im Schotter als vor dem Café glänzen. Seit 2015 wird das Modell in der Lombardei gebaut und setzt auf eine puristische, fahrorientierte Auslegung. Wer ein leichtes, voll geländetaugliches Motorrad sucht, das nicht mit Elektronik überfrachtet ist, sondern mit klassischer Technik überzeugt, findet hier einen spannenden Kandidaten. Optisch gibt sich die RS 300 R mit ihrem Schwarz-Rot-Look direkt als Sportgerät zu erkennen – eher Motorsport-Werkzeug als Freizeit-Cruiser.

Motor der SWM RS 300 R: Drehfreude für Enduro-Fans

Seitenansicht der SWM RS 300 R, ein sportliches Enduro-Motorrad mit schwarz-roter Lackierung
Die SWM RS 300 R im schwarz-roten Look – kompromisslose Enduro für Offroad-Fans (Foto: swm-motorcycles.it)

Im Zentrum der SWM RS 300 R arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder mit 297,6 cm³ Hubraum, DOHC-Ventilsteuerung und Vierventiltechnik. Die Leistung liegt bei 20 kW, also 27 PS, bei 9.000 U/min, für den reinen Renneinsatz sind bis zu 32 kW vorgesehen. Für ein sportliches Enduro-Motorrad dieser Klasse ist das eine stimmige Abstimmung: genug Punch, um auf engen Trails kraftvoll aus Kehren zu beschleunigen, ohne dabei unbeherrschbar zu wirken. Das maximale Drehmoment von 27 Nm bei 7.000 U/min unterstützt einen drehfreudigen, aber dennoch kontrollierbaren Charakter – ideal für technisch anspruchsvolle Singletrails und steile Auffahrten.

Gefüttert wird der Motor über eine elektronische Einspritzanlage, was für ein sauberes Ansprechverhalten sorgt, gerade bei wechselnden Höhen- und Temperaturbedingungen. Dass die RS 300 R die Abgasnorm Euro 5+ erfüllt, ist für ein offroad-orientiertes Bike keine Selbstverständlichkeit. Eine manuelle 6-Gang-Schaltung verteilt die Leistung fein abgestuft, wodurch sich sowohl langsame Enduro-Passagen als auch zügige Etappen abdecken lassen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 150 km/h, was für Verbindungsetappen auf der Landstraße ausreicht, auch wenn der Fokus abseits des Asphalts liegt.

Fahrwerk der SWM RS 300 R: Kayaba-Technik für ernsthaftes Gelände

Wer sich im schweren Gelände bewegt, weiß: Das Fahrwerk entscheidet, ob ein Motorrad wirklich taugt. Die SWM RS 300 R setzt hier auf eine klassische, robuste Lösung mit Stahlrohrrahmen als Basis. Das sorgt für Stabilität und Reparaturfreundlichkeit – ein Pluspunkt, wenn das Bike im harten Offroad-Alltag auch mal Bodenkontakt jenseits der Reifen hat. An der Front arbeitet eine 48-mm-Upside-down-Gabel von Kayaba, voll einstellbar und damit auf das Fahrergewicht und das bevorzugte Terrain anpassbar. Hinten verrichtet ein Kayaba-Monofederbein seinen Dienst, ebenfalls einstellbar in Vorspannung und Zugstufe. Damit lässt sich die RS 300 R vom schnellen, welligen Schotter bis zum verblockten Enduro-Singletrail abstimmen.

Die Radgrößen sind klassisch endurotypisch gewählt: 21 Zoll vorn und 18 Zoll hinten, jeweils mit Speichenrädern aus Aluminium. Bereift ist die Maschine mit 90/90-21 vorn und 140/80-18 hinten, ein Setup, das ausreichend Auswahl an grobstolligen Offroad-Pneus ermöglicht. Der Radstand von 1.485 mm und die Sitzhöhe von 963 mm zeigen, dass hier keine Kompromisse Richtung Tieferlegung eingegangen wurden. Wer ernsthaft im Stehen fährt und lange Federwege schätzt, wird die luftige Sitzposition zu schätzen wissen, kleinere Fahrerinnen und Fahrer müssen dafür eventuell etwas mehr Übung beim Auf- und Absteigen mitbringen.

Bremsen, Gewicht und Handling der SWM RS 300 R

Gebremst wird bei der SWM RS 300 R mit Komponenten von Brembo: Vorn verzögert eine 260-mm-Scheibe, hinten eine 240-mm-Scheibe. Auf zusätzliche elektronische Helfer wie ABS oder Traktionskontrollen wird verzichtet. Für Straßeneinsteiger mag das ungewöhnlich wirken, für viele erfahrene Offroad-Fahrer ist es jedoch ein gewolltes Feature – keine unliebsamen Eingriffe im losen Untergrund, volle Kontrolle über das Vorderrad, wenn es steil bergab geht. Dieser Ansatz passt zur Gesamtcharakteristik der RS 300 R als Bike für Fahrerinnen und Fahrer, die ihr Motorrad aktiv beherrschen wollen.

Mit 132 kg Leergewicht ist die RS 300 R für ein vollwertiges Enduro-Motorrad dieser Hubraumklasse ordentlich im Rahmen. In Verbindung mit der schmalen Bauweise – 825 mm Gesamtbreite – ergibt sich ein handliches Motorrad, das sich auch in engen Waldpassagen präzise dirigieren lässt. Die Gesamtlänge von 2.310 mm und die Höhe von 1.240 mm wirken auf dem Papier unspektakulär, auf dem Trail zählt jedoch vor allem das subjektive Gefühl: Die Kombination aus relativ geringem Gewicht, klassischem Enduro-Rahmen und den großen Rädern ergibt ein vertrautes, direktes Handling, das sich anfühlt wie ein echtes Sportgerät.

Tank, Reichweite und Alltagstauglichkeit im Enduro-Kontext

Der Tank fasst 7,5 l – eine eher knappe Größe, die allerdings zur sportlichen Ausrichtung passt. Die SWM RS 300 R ist kein Reisemotorrad, sondern ein Sport-Enduro für Trainingsrunden, Enduro-Strecken und Rallye-ähnliche Einsätze mit geplanter Versorgungsstruktur. Wer den Gasgriff maßvoll bedient, kann dennoch solide Etappen im Gelände abspulen, ohne ständig nach der nächsten Tankstelle Ausschau halten zu müssen. Im Kontext von Enduro-Wettbewerben oder Trainings ist ein kleiner Tank oft sogar ein Vorteil: weniger Gewicht, schlankere Linienführung, bessere Bewegungsfreiheit.

Praktisch im Alltag ist die moderne LED-Beleuchtung rundum. Sie sorgt für gute Sicht in der Dämmerung und senkt den Stromverbrauch, was bei offroadtypischen Zusatzverbrauchern wie Lüfter und Einspritzanlage hilft. Das Cockpit ist als digitales LCD-Display ausgeführt und bringt eine USB-Schnittstelle mit. Das ist im Offroad-Einsatz nützlich: Navigationsgerät oder Smartphone können direkt mit Strom versorgt werden, sei es für Roadbook-Apps, GPS-Tracks oder zur Dokumentation der Tour. Die Kombination aus moderner Lichttechnik und schlichtem, funktionalem Display fügt sich gut in das reduziertes-Ganzes-Konzept der Maschine ein.

Faszination SWM RS 300 R: Puristische Enduro ohne Filter

Eine besondere Faszination der SWM RS 300 R liegt in ihrem bewusst analogen Charakter. In einer Zeit, in der viele Enduros mit Fahrmodi, umfangreicher Elektronik und teuren Hightech-Features aufrüsten, bleibt dieses Bike beim Wesentlichen: Motor, Fahrwerk, Bremsen, Licht – fertig. Besonders reizvoll ist dabei das einstellbare Kayaba-Fahrwerk. Wer sich die Zeit nimmt, es auf den eigenen Fahrstil und das Gelände abzustimmen, wird mit einem direkten, kontrollierbaren Fahrgefühl belohnt. Dieses Potenzial zur Individualisierung macht die RS 300 R interessant für ambitionierte Hobby-Sportler, die gern an ihrem Setup feilen.

Die SWM RS 300 R ist damit kein Motorrad, das alle glücklich machen will. Sie richtet sich an Enduro-Fans, die eine robuste, italienisch geprägte Maschine suchen, mit der sich ernsthaft ins Gelände gehen lässt – ohne Elektroniknetz, aber mit solider Technik und einem Motor, der in der 300er-Klasse ausreichend Reserven bietet. Zwischen Extrem-Sportenduro und alltagstauglichem Dual-Sport positioniert sie sich bewusst auf der sportlichen Seite. Für alle, die ein echtes Offroad-Werkzeug suchen und bereit sind, den Einsatzort eher im Dreck als im Pendelverkehr zu sehen, ist die SWM RS 300 R ein spannender Kandidat.

Bilder: Hersteller

FAQ

1) Für wen eignet sich die SWM RS 300 R wirklich – und für wen eher nicht?
Die RS 300 R richtet sich vor allem an Fahrerinnen und Fahrer, die aktiv im Gelände unterwegs sind und ein klassisches Sport-Enduro-Gefühl suchen: wenig Elektronik, viel direkte Rückmeldung und ein Fahrwerk, das auf ruppige Trails ausgelegt ist. Wer gern an Druck- und Zugstufe dreht und sein Setup an Strecke, Tempo und Körpergewicht anpasst, wird mit Kontrolle und Präzision belohnt. Weniger passend ist sie für Pendler oder Tourenfahrer: kleiner 7,5-l-Tank, hohe Sitzhöhe und der klare Offroad-Fokus machen sie nicht zum Komfort-Allrounder.

2) Was bedeuten „puristisch“ und „ohne ABS“ im Alltag und im Gelände?
„Puristisch“ heißt hier: Die Maschine vertraut auf Mechanik statt auf Assistenzsysteme. Im Gelände kann das ein Vorteil sein, weil keine Elektronik unerwartet eingreift, wenn der Untergrund lose wird oder das Vorderrad beim Bremsen auf Schotter entlastet. Gleichzeitig steigt die Verantwortung des Fahrers: Dosierung, Blickführung und Körperposition entscheiden stärker über Sicherheit und Tempo. Auf der Straße verlangt das fehlende ABS dagegen mehr Feingefühl, besonders bei Nässe oder Kälte. Wer aus dem Straßenbetrieb kommt, sollte sich bewusst umgewöhnen und Bremsen gezielt trainieren.

3) Welche Setup- und Nutzungsfragen sollte man vor dem Kauf klären (Reichweite, Sitzhöhe, Einsatzgebiet)?
Vor dem Kauf lohnt es sich, drei Punkte ehrlich zu prüfen: Erstens die Reichweite – 7,5 Liter sind für Training und kurze bis mittlere Offroad-Runden okay, für lange Touren braucht es Planung oder Zusatzlösungen. Zweitens die Ergonomie: Mit rund 963 mm Sitzhöhe ist die RS 300 R hoch gebaut; wer kleiner ist, sollte testen, ob sich Anhalten, Wenden und Aufsteigen im Gelände sicher anfühlen. Drittens das Einsatzgebiet: Die Stärken liegen auf Trails, Schotter und Enduro-Strecken. Wer überwiegend Asphalt fährt, nutzt ihr Potenzial kaum aus.