85er-Sportgerät für den ernsthaften Einstieg ins Racing

Die Yamaha YZ85 ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ernst ein Hersteller den Nachwuchs im Motocross nimmt. Seit 2002 steht dieses 85-ccm-Bike im Programm, und es ist kein Zufall, dass Yamaha mit seinen Zweitaktern seit nunmehr 50 Jahren nahezu jeden wichtigen Motocross-Titel mindestens einmal geholt hat. Die YZ85 ist klar als 85-ccm-Motocross-Maschine positioniert, entwickelt für junge Fahrerinnen und Fahrer, die nicht mehr nur „im Kreis fahren“, sondern in die echte Rennszene einsteigen wollen – egal ob auf der Motocross-Piste oder auf engen, technischen Strecken im Enduro-Training.
Optisch gehört die aktuelle Generation mit ihrer Icon-Blue-Lackierung klar in die Familie der großen YZ-Modelle. Wer eine YZ250F oder YZ450F kennt, erkennt die Verwandtschaft sofort. Das ist gewollt: Das Bike soll sich nicht wie ein Spielzeug anfühlen, sondern wie ein echtes Sportgerät im Kleinformat. Genau dort setzt Yamaha an: mit Technik, die direkt aus den großen Rennmaschinen abgeleitet ist, aber an Gewicht, Größe und Leistungsentfaltung der 85-ccm-Klasse angepasst wurde.
Zweitakt-Technik mit YPVS: Drehmoment für die Lernkurve

Herzstück der YZ85 ist ein flüssigkeitsgekühlter Einzylinder-Zweitakter mit 85 cm³ Hubraum. Der Motor arbeitet mit Membransteuerung (Reed-Valve) und Yamahas Power Valve System (YPVS). Dieses System verbreitert das nutzbare Drehzahlband deutlich. Während klassische kleine Zweitakter gerne nur oben herum „aufgehen“, sorgt YPVS dafür, dass schon im unteren und mittleren Drehzahlbereich spürbares Drehmoment anliegt. Das hilft jungen Fahrerinnen und Fahrern, Fehler zu verzeihen und trotzdem schnell aus der Kurve zu kommen.

Die Bohrung von 47,5 mm und der Hub von 47,8 mm, kombiniert mit einem Verdichtungsverhältnis von 8,2 : 1, zeigen, dass der Motor klar auf Drehfreude ausgelegt ist – und dennoch nicht völlig charakterlos hochdreht. In der Praxis bedeutet das: Wer sauber schaltet und den Gasgriff konsequent nutzt, wird belohnt. Gleichzeitig ist genug Druck im unteren Bereich da, um beim Anfahren auf losem Untergrund oder beim Rausbeschleunigen aus tiefen Spurrillen nicht sofort stehen zu bleiben, wenn der Gangwahl einmal nicht perfekt war.
Schaltarbeit, wie sie im Racing-Alltag gefragt ist

Die YZ85 setzt auf eine konventionelle, robuste Technik: geschmierte Lager und Kolben per Gemischschmierung (Premix), eine Mehrscheiben-Ölbadkupplung und eine konstant ausgelegte 6-Gang-Schaltung. Für den MX-Alltag ist diese Kombination bewährt. Die 6 Gänge erlauben es, die Übersetzung eng zu staffeln und die Drehzahl optimal im Leistungskorridor zu halten. Junge Talente lernen so, Gänge bewusst zu wählen und mit Kupplung und Gas zu arbeiten.
Gestartet wird klassisch per Kickstarter. Das mag in Zeiten elektrischer Starter altmodisch wirken, passt aber zu einem leichten, kompromisslos auf Racing ausgerichteten 85er-Bike. Zudem zwingt es die Nachwuchsfahrer dazu, ein Gefühl für Motorzustand und Vergasereinstellung zu entwickeln. Apropos Vergaser: Yamaha setzt beim YZ85-Motor auf einen Keihin PWK28/1. Der 28-mm-Vergaser ist ein guter Kompromiss zwischen spontanem Ansprechverhalten und ausreichendem Durchsatz für drehzahlfreudiges Fahren auf schnellen Strecken.
Fahrwerk und Ergonomie im Stil der großen MX-Bikes

Mit einem fahrfertigen Gewicht von rund 75 kg bringt die YZ85 ein sehr gut handhabbares Paket auf die Strecke. In Kombination mit dem kompakten Zweitakt-Motor entsteht ein Motorrad, das sich leicht versetzen, schnell umlegen und präzise steuern lässt. Für Motocross und leichte Enduro-Einsätze im Jugendbereich ist dieses geringe Gewicht Gold wert – weniger Kraftaufwand beim Fahren und auch beim gelegentlichen Aufheben nach einem Sturz.
Seit dem Modelljahr 2022 hat Yamaha der YZ85 zudem einen ordentlichen ergonomischen Feinschliff verpasst. Der Tank wurde schmaler gestaltet, die Sitzbank flacher. Das erleichtert den Wechsel zwischen Sitz- und Stehposition, gerade für Piloten, die noch wachsen und sich fahrerisch stark entwickeln. Zusammen mit dem überarbeiteten Rahmen, der verstärkten Schwinge und angepassten Achsen ergibt sich ein spürbar steiferes Chassis. Das Ziel ist klar: mehr Stabilität beim harten Anbremsen, präzisere Spurtreue in ausgefahrenen Kurven und mehr Reserven bei Landungen nach Sprüngen.
YZ85 und der Weg zur „großen“ Maschine

Parallel zur überarbeiteten Standardversion brachte Yamaha 2022 die YZ85LW (Large-Wheel) mit 19-Zoll-Vorderrad und 16-Zoll-Hinterrad auf den Markt. Auch wenn die Variante im Detail vom Einsatzbereich abhängt, ist die Idee klar: junge Fahrer an das Handling und die Proportionen der großen MX-Bikes heranführen. Die Geometrie profitiert von den größeren Rädern, das Überrollen von Spurrillen und Bremswellen wird einfacher. Wer von der normalen YZ85 auf eine LW oder später auf eine 125er oder 250er Viertakt wechselt, findet damit einen deutlich sanfteren Übergang.
Die YZ85 bleibt dabei aber bewusst kompromisslos in ihrer Ausrichtung. Sie ist keine Freizeit-Enduro, sondern ein Motocross-Bike, das sich auf Enduro-Übungsstrecken wohlfühlt, wenn diese entsprechend sportlich gesteckt sind. Der kleine 5-Liter-Tank passt zu typischen MX-Heats und Trainingseinheiten. Wer stundenlange Ausritte im Wald plant, ist mit einem anderen Bike besser bedient. Auf der Strecke hingegen zahlt sich das geringe Tankvolumen durch die schmale Silhouette und viel Bewegungsfreiheit aus.
Grafik, Optik und das Gefühl, im „victorYZone“ zu sein

Für das Modelljahr 2026 hat Yamaha der YZ85 eine aufgefrischte Grafik im Icon-Blue-Farbschema spendiert. Das mag nach einem Detail klingen, spielt im Kopf junger Racer aber eine größere Rolle, als man denkt. Wer auf dem Vorstartgatter steht, möchte sich fühlen wie die Vorbilder aus den WM-Serien. Die YZ85 transportiert dieses Gefühl ziemlich direkt: von der Farbgebung über die Linienführung bis zur kompakten, aggressiven Silhouette.
Der Slogan „Victory: Never given, always earned“ passt zur Charakteristik des Motorrads. Die YZ85 nimmt niemandem die Arbeit ab. Sie hilft, indem sie ein breites nutzbares Drehzahlband, ein stabiles Chassis und eine rennsportliche Ergonomie bietet. Aber sie verlangt sauberes Fahren, gezielte Körperarbeit und konsequentes Training. Wer das sucht – oder für den eigenen Nachwuchs ein Werkzeug genau dafür möchte – findet in der YZ85 ein Motorrad, das wesentlich mehr ist als nur ein „Kinder-Crosser“.
Bilder: Hersteller
