Motocross-Original: bald unter dem Hammer

Die 1974 Husqvarna 400 CR steht als Los N15 kurz vor dem Auktionsauftakt der Veranstaltung Las Vegas Motorcycles 2026 am Donnerstag, 29. Januar 2026. Angeboten wird ein vollblütiges Wettbewerbsgerät mit schwedischem Pass, Rahmennummer MK14341 und einer Bildergalerie mit acht Fotos. Der Name ist Programm: Die 400 CR wurde als reine Racing-Variante entwickelt und basiert auf der 1971 eingeführten 400 Cross mit 396 cm³ Einzylinder-Zweitakt. Was heute nostalgisch wirkt, war damals kompromissloser Sport – und genau das spürt man an den nüchternen Daten ebenso wie an den Konstruktionsdetails. Wer ein authentisches Zeitdokument sucht, das im Gelände ebenso überzeugt wie in der Sammlung, findet hier einen Kandidaten, der ohne überflüssigen Zierrat auskommt, aber mit Substanz punktet. Die 1974 Husqvarna 400 CR wird in Kürze verkauft – Anlass genug, die Technik und Historie genau anzusehen.
Zweitakt-Herz mit Charakter und Klarheit

Der luftgekühlte Einzylinder liefert, was Liebhaber klassischer Offroad-Maschinen erwarten: direkte Ansprache, trockenes Anreißen und einen Leistungsbuckel, der bewusst eingesetzt werden will. Mit 396 cm³, Bohrung × Hub von 81,5 × 76 mm und einer Verdichtung von 10,2:1 ist das Aggregat auf spontane Drehfreude ausgelegt. Die Gemischaufbereitung übernimmt ein 36-mm-Bing-Vergaser; geschmiert wird klassisch per Vormischung. Für Zündpräzision sorgt eine elektronische Motoplat-Anlage – im Wettbewerbsalltag ein Plus an Stabilität und wartungsarmer Funktion. Die Leistungsangabe liegt bei etwa 30 kW (≈40 PS) bei rund 6.500/min; in Verbindung mit dem geringen Trockengewicht von etwa 102,5 kg ergibt das ein Leistungsgewicht, das auf Naturpisten und klassischen Cross-Strecken auch heute noch überzeugt. Genau hier spielt die 1974 Husqvarna 400 CR ihren Reiz aus: roh, direkt, transparent – und damit nah am eigentlichen Fahren.
Fünf Gänge: das entscheidende Update

Eines der faszinierendsten Merkmale dieser 400 CR ist das 5-Gang-Getriebe. Husqvarna führte es für das 1973er Modell ein und ersetzte damit die zuvor üblichen vier Gänge. Die 1974er profitiert spürbar von enger abgestuften Gängen und besser nutzbarer Drehmomentkurve, insbesondere auf Strecken, die schnelle Wechsel zwischen weichem Sand, hartem Schotter und kurzen Anliegern verlangen. Geschaltet wird links; ein rechtsseitiges Schaltkit war optional – ein Detail für Fahrer, die von früheren Layouts wechseln wollten oder im historischen Wettbewerb auf period-correct umrüsten. Das zusätzliche Gangrad erweitert die fahrbare Bandbreite des Zweitakters, hält ihn häufiger im idealen Resonanzbereich und ermöglicht feinere Gangwahl. In Summe steigert das die Kontrolle am Kurvenausgang ebenso wie die Ruhe über Wellen und Kanten.
Rahmen, Geometrie und Federwege im Geländeeinsatz

Der Rahmen ist ein klassischer, geschlossener Stahlrohr-Vollschleifenrahmen mit Einzugsrohr – robust, zweckmäßig, frei von Schnörkeln. Bereits 1973 optimierte Husqvarna die Fahrwerksgeometrie: Der Lenkkopfwinkel wuchs auf 31° (zuvor 30°), der Nachlauf auf 5,8 Zoll (rund 147 mm) statt 5,25 Zoll (etwa 133 mm), was die Laufruhe bei Tempo verbesserte, ohne die Agilität in engen Sektionen zu opfern. Vorn arbeitet eine Teleskopgabel mit internen Federn und etwa 152 mm Federweg; hinten stützt sich die Zweiarmschwinge auf zwei Girling-Federbeine mit 114 mm. Keine Progression, keine Spielereien – dafür ein ehrliches, gut lesbares Feedback. Mit 137 cm Radstand, 80 cm Sitzhöhe und 23 cm Bodenfreiheit ergibt sich eine harmonische Ergonomie, die auf stehende Fahrweise ausgelegt ist. Das niedrige Trockengewicht hilft beim Versetzen in Spurrillen und lässt sich über die Rasten präzise dirigieren.
Räder, Reifen und Bremsen: klassisch, funktional, leicht

Die 1974 Husqvarna 400 CR rollt vorn auf einem 3.00×21-Reifen (21 Zoll ≈ 533 mm Felgendurchmesser, Breite ca. 76 mm) und hinten auf 4.50×18 (18 Zoll ≈ 457 mm, Breite ca. 114 mm). Beide Reifen sind grobstollig, montiert auf leichten Akront-Aluminiumfelgen mit Drahtspeichen – ein periodenkorrektes Setup, das gering ungefederte Massen und robuste Servicefreundlichkeit vereint. Verzögert wird über Trommelbremsen an Vorder- und Hinterrad. Auf dem Papier bescheiden, in der Praxis gut dosierbar: Gerade auf losem Untergrund lässt sich mit Trommeln feinfühlig arbeiten, ohne das Vorderrad abrupt zu blockieren. Wer historische Cross- oder Enduro-Veranstaltungen fährt, schätzt diese Planbarkeit ebenso wie die schlichte Wartung. Zusammen mit der direkten Motorcharakteristik entsteht ein Fahrgefühl, das nicht durch Elektronik gefiltert wird, sondern durch Hände, Füße und das, was der Untergrund hergibt.
Einordnung in die Modellgeschichte

Die Wurzeln dieser Maschine reichen zur 1971 vorgestellten 400 Cross, deren 396-cm³-Zweitakter den Ausgangspunkt für die 400 CR als Wettbewerbsableitung bildete. Mit dem 1973er Update kamen das 5-Gang-Getriebe und Feinschliff an der Rahmengeometrie – Details, die die Handhabung auf Kursen mit wechselndem Grip sichtbar verbesserten. Der Motor blieb bei 81,5 × 76 mm und 10,2:1, die Leistung lag in Serie bei rund 30 kW (≈41 PS). Seriennahe Merkmale jener Zeit setzten Akzente: der hochgelegte Auspuff mit Hitzeschild, Magura-Lenker und Bedienelemente sowie die Akront-Felgen. Auch die Federwege beschrieben den Stand der Dinge: rund 152 mm vorn und 114 mm hinten galten für Serienmaschinen als zeitgemäß. Unterm Strich zeigt die 400 CR, wie zielstrebig Husqvarna die Balance aus Stabilität und Wendigkeit suchte.
Wer sollte hinsehen – und wann fällt der Hammer?

Das Angebot richtet sich an Fahrer und Sammler, die Authentizität über Kosmetik stellen. Die 1974 Husqvarna 400 CR ist kein Museumsstück, das im Vitrinenlicht glänzen muss, sondern eine Maschine, die ihr Wesen im Dreck findet: klar in der Rückmeldung, verlässlich in der Mechanik, fordernd in der Linie. Die Kombination aus 5-Gang-Getriebe, geringem Gewicht, Akront-Laufrädern und der robusten Stahlrohrbasis liefert im klassischen Motorsport eine schlüssige Gesamtformel. Das Exemplar mit der Rahmennummer MK14341 wird am Donnerstag, 29. Januar 2026, im Rahmen der Las Vegas Motorcycles 2026 als Los N15 versteigert; zur Einstimmung steht eine Galerie mit acht Bildern bereit. Wer den Reiz unverfälschter Technik sucht, wird hier fündig – und erlebt, warum diese Baureihe bis heute als ehrlicher Maßstab für pures Offroad-Fahren gilt. Preis am Ende, wie gefordert, in historischer Einordnung.
Preis: Listenpreis 1973 ca. 1.380 US‑Dollar; der Zuschlagspreis wird am 29. Januar 2026 festgelegt.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges

